Reichsparteitagsgelände in Nürnberg 70 Millionen für Instandsetzung von NS-Ruinen?

Im Jahr 2003, zwei Jahre nach der Eröffnung, zählte das Dokuzentrum 165.000 Besucher pro Jahr. Seither steigt die Zahl ständig an, in diesem Jahr hat Täubrich Anlass zu hoffen, dass erstmals mehr als 200.000 Besucher auf das ehemalige NS-Gelände strömen werden. Bedenke man, dass vor zwölf Jahren noch nicht einmal Schilder auf das NS-Erbe am Rande der Stadt hinwiesen, so sei dies eine "hoch erfreuliche Entwicklung", sagt Täubrich.

Wegen herabstürzenden Gesteinsbrocken gesperrt: Die Zeppelintribüne auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände ist vom Einsturz bedroht.

(Foto: dpa)

Aber eben auch eine Verpflichtung: Kümmere man sich nicht um die Anlagen rund ums Zeppelinfeld, könnten diese irgendwann nur noch auf dem Papier existieren, fürchtet Täubrich. Das Konzept sieht deshalb vor, die bauliche Substanz der Tribüne zu retten - und das Innere des Gebäudes in erweiterter Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch der Goldene Saal - der einzige von NS-Baumeister Albert Speer tatsächlich zu Ende geführte Raum auf dem Gelände - soll wieder geöffnet und von außen mit einer Glasfront sichtbar gemacht werden. Der momentan gesperrte Saal wurde 1984 restauriert, für Filmvorführungen oder als Vortragsraum könnte man ihn künftig nutzen, sagt Täubrich.

70 Millionen Euro für die Instandsetzung von NS-Ruinen? Täubrich kennt die Bedenken, sogar Hermann Glaser hat sie in einem SZ-Gespräch geäußert. Glaser war nicht nur mehr als zwei Jahrzehnte lang Nürnbergs Kulturdezernent, er gilt auch als der Mann, auf den die - sehr erfolgreiche - Idee einer profanen Nutzung des NS-Erbes zurückgeht.

Seit dort Autos gewaschen werden, Autorennen stattfinden und Skater ihre Runden drehen, meiden Neonazis das Gelände. Ob aber "der Erhalt so eines Trümmerhaufens" tatsächlich 70 Millionen Euro wert ist, sei schon fragwürdig, sagt Glaser.

Täubrich hält entgegen, mit Ausbesserungsarbeiten im kleinen Rahmen sei es einfach nicht getan - immerhin stehe das NS-Gelände unter Denkmalschutz. Und eines sei ohnehin klar: Ohne finanzielle Hilfe des Bundes werde die Umwandlung der Zeppelintribüne in einen Lernort nicht machbar sein. Ein Beschluss des Stadtrats dürfte sich insofern auch als Aufforderung an den Bund verstehen.

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