UmweltpolitikProtest gegen geplante Gasbohrungen

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Mehr als tausend Menschen haben nach Angaben von Umweltverbänden im oberbayerischen Reichling gegen die dort geplanten Gasbohrungen protestiert.
Mehr als tausend Menschen haben nach Angaben von Umweltverbänden im oberbayerischen Reichling gegen die dort geplanten Gasbohrungen protestiert. Philipp Guelland/Getty Images

Die Firma Genexko will in den kommenden Wochen am Ammersee ein Erdgasvorkommen in 3000 Metern Tiefe erkunden. Seit Monaten machen Umweltorganisationen und Einheimische dagegen mobil.

Etwa 1200 Menschen haben nach Angaben von Umweltverbänden in Reichling im Landkreis Landsberg am Lech lautstark gegen den Start von Gasbohrungen in ihrer Ortschaft demonstriert. Die Polizei sprach von 600 Demonstranten. Die Teilnehmer der Kundgebung zogen mit „Koa Gas“- und „Stoppt Gasbohrungen in Bayern“-Transparenten von Reichling zum anderthalb Kilometer entfernten Bohrplatz, auf dem in wenigen Wochen ein 40 Meter hoher Bohrturm stehen könnte. Die Kritiker halten Bohrungen nach fossilem Gas in Zeiten des Klimawandels für ein völlig falsches Signal. Zudem liegt die Bohrfläche in der Nähe von Schutzgebieten.

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„Wer heutzutage auf dreckiges Gas statt auf Erneuerbare setzt, kippt weiter Öl ins Feuer der Klimakrise – statt es mit allen Mitteln zu löschen“, hieß es etwa von der Initiative Fridays for Future. Jana Häfner von Protect the Planet sprach sich „für ein Reichling ohne Gasbohrung, eine Energieversorgung ohne Abhängigkeit von Autokraten und für eine Welt, in der Klimaschutz und Demokratie Hand in Hand gehen“, aus. „Wir wollen eine erneuerbare Zukunft – für uns, für Europa, für die Welt.“

Der Schauspieler Hannes Jaenicke schloss sich den Demonstranten an. „Vielleicht können wir diesen Quatsch noch verhindern“, sagte er in einem Video, das er über seinen Instagram-Kanal ausspielte.Die Firma Genexco will in den kommenden Wochen mit Probebohrungen in Reichling in der Nähe des Ammersees beginnen. Das Unternehmen vermutet in rund 3000 Metern Tiefe relevante Gasvorkommen.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) steht auf dem Standpunkt, der Freistaat habe keine Handhabe, die Bohrungen zu untersagen, solange die Anforderungen des Bundesberggesetzes eingehalten würden. Eine ähnliche Sichtweise vertritt Reichlings Bürgermeister Johannes Hintersberger.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte mit weiteren Organisationen ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, das zu einer anderen Auffassung gelangte. Im Vorfeld hatte es erhebliche Rangeleien zwischen Klimaschützern und Gemeinde gegeben. Ein Teil der Demonstranten warf dem Bürgermeister vor, sie als „Terroristen“ bezeichnet zu haben und strengte eine Unterlassungsklage an.

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