Bad ReichenhallKürzer ohne Kur

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Das Alte Königliche Kurhaus in Bad Reichenhall.
Das Alte Königliche Kurhaus in Bad Reichenhall. (Foto: Karlheinz Schindler/dpa)

Längere Erholungsaufenthalte in Bad Reichenhall sind längst Geschichte. Jetzt streicht das Staatsbad auch noch den Namen der eigenen Betreibergesellschaft zusammen. Wieso das?

Glosse von Matthias Köpf, Bad Reichenhall

Erstmal die Begriffe klären, nur für die Jüngeren: "Eine Kur ist ein auf die Gesundheit ausgerichteter Aufenthalt in einem der deutschen Heilbäder und Kurorte." So definiert das der Deutsche Heilbäderverband, der sich da vielleicht etwas zu sehr auf seine Mitglieder konzentriert, aber dafür ist er ja da. Früher jedenfalls konnte so ein auf die Gesundheit ausgerichteter, mit allerlei Anwendungen und Amüsements ausgefüllter Aufenthalt auch mal ein paar Wochen dauern.

Doch Mitte der Neunzigerjahre war dann Schluss mit dem medizinischen Müßiggang. Der Bund kürzte die Kassenleistungen zusammen, Kurorte wie Bad Reichenhall mussten es ausbaden. Speziell Bad Reichenhall hat der sinkenden Aufenthaltsdauer der Gäste dann immer längere Namen für die eigene Kurgesellschaft entgegengesetzt. Doch auch das muss jetzt ein Ende haben. Kur ist gestrichen.

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Bis 1997 gab es in Reichenhall schlicht die "Staatliche Kurverwaltung", welche dann aber zur "Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-GmbH" privatisiert wurde. 2009 wurde dann noch "Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain" angehängt, denn beide Kommunen sind maßgeblich daran beteiligt. Die jeweiligen Doppelnamen haben das alles zwar nicht kürzer gemacht, aber Reichenhall könnte kaum auf sein "Bad" verzichten, und Bayerisch Gmain muss sich ja irgendwie vom benachbarten Großgmain drüben in Salzburg abheben. Kleingmain klänge doch komisch, zumal Großgmain kleiner ist.

Um den Namen mit seinen 80 Zeichen inklusive Leerzeichen komplett zu inhalieren, wäre jedenfalls wohl ein achtwöchiger Aufenthalt im Reichenhaller Solenebel nötig gewesen. Dabei war die "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" ja schon abgekürzt. Und wer aus irgendeinem Grund über das Unternehmen sprechen wollte, sagte eh nur "Kur-GmbH". Das aber werde dem Staatsbad mit seinem "selbstzahlenden Gesundheits- und Urlaubsgast" nicht gerecht, hieß es neulich noch von der "Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-GmbH Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain", die daher seit 1. Januar als "Bayer. Staatsbad Bad Reichenhall/Bayer. Gmain GmbH" firmiert. Sie hat damit zweimal abgekürzt, einmal "Bad Reichenhall" und einen Bindestrich gestrichen sowie zwei Leerzeichen links und rechts des Schrägstrichs eingespart. Und sie verzichtet auf die "Kur". Was die Leute dazu sagen werden? "Wellness-GmbH" vermutlich nicht.

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