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Reglementierung in Kitas:Erst der Kuchen, jetzt die Fotos

Die Caritas empfiehlt ihren Kindertagesstätten, keine professionellen Fotografen mehr zu beauftragen. Eventuell müssten die Aufträge ausgeschrieben werden

Nach Geburtstagskuchen könnten offenbar auch Erinnerungsfotos in Kindergärten der Vergangenheit angehören. Die Caritas in Würzburg empfiehlt Kitas, keine professionellen Fotografen mehr in Anspruch zu nehmen. Grund sei, dass die Aufträge eventuell ausgeschrieben werden müssten, erläuterte ein Sprecher am Dienstag. Gegen eine Kitaleiterin sei bereits wegen Vorteilsnahme ermittelt worden. Die Ermittlungen wurden laut Caritas zwar eingestellt. Dennoch rate man inzwischen, dass Eltern die Fotoshootings selbst organisieren. Der evangelische Kindertagesstättenverband empfiehlt laut Sprecherin Steffi Krause seit Jahren "dringend", dass die Fotoaktionen von den Eltern organisiert werden. "Der Datenschutz hat den Blick darauf gelenkt, wie wir es grundsätzlich mit Fotos halten", sagte Krause.

Der emeritierte Rechtsprofessor und Berater katholischer Kitas, Simon Hundmeyer, versteht die Aufregung nicht. Die Fotos müssten seiner Meinung nach nicht ausgeschrieben werden. "Schließlich belasten sie die Kita-Finanzen nicht." Ähnlich äußert sich der Würzburger Fachanwalt für Vergaberecht Thomas Wandler. "Wohlfahrtsverbände gelten in der Regel gar nicht als öffentliche Auftraggeber." Daher müssten sie nur bei öffentlich geförderten Baumaßnahmen ausschreiben. Dennoch sei denkbar, dass Kitaleitungen strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie mit Geld nicht ordnungsgemäß umgehen. Erst kürzlich hatte eine Kita in Schwaben aus Hygienegründen verboten, zu Geburtstagen eigene Speisen wie Kuchen mitzubringen. Werden Kitas immer stärker reglementiert? "Die Anforderungen sind gestiegen", sagte Krause. Kitaleiter müssten Eltern zunehmend Gesetze und Vorgaben für Sicherheit, Hygiene und Ernährung erklären. Die Zeit fehle für die Arbeit mit den Kindern.