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Regensburger CSU-Stadtrat Schlegl:"Im Moment bin ich der Feind Nummer eins"

Einst war Schlegl ein Vertrauter von Thomas Fürst. Heute stellt sich der Hoffnungsträger der Regensburger CSU gegen seinen einstigen Freund mit der angeblich rechtsradikalen Gesinnung - und sieht sich selbst mit rechten Vorwürfen konfrontiert. Zu Unrecht, wie er findet.

Einst war Christian Schlegl, 34, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU im Regensburger Stadtrat, ein enger Wegbegleiter von Thomas Fürst. Inzwischen ist er jedoch der Erzfeind des wegen angeblich rechtsradikaler Gesinnung umstrittenen CSU-Stadtratskollegen. Nun liegen allerdings auch Vorwürfe gegen Schlegl vor: Demnach soll er sich ausländer- und kirchenfeindlich geäußert haben.

Christian Schlegl: Hoffnungsträger der CSU-Regensburg.

(Foto: Foto: oh)

SZ: Herr Schlegl, die Vorwürfe gegen Sie wiegen schwer. Sie werden mit dem Satz zitiert: Türken sollen in ihr Heimatland geflogen werden, und über dem Mittelmeer solle man sie aussteigen lassen.

Christian Schlegl: Es ist vollkommen abwegig, mir so etwas anzudichten. Der Mann, der das sagt, ist über Seilschaften eng verbunden mit Thomas Fürst. Warum sollte ich mich gerade in der Anwesenheit eines solchen Mannes zu so einer dummen Äußerung hinreißen lassen?

Abgesehen davon, dass mir so eine Haltung absolut fern liegt. Allerdings habe ich mich im Jahr 2002 sehr wohl für die Linie der CSU und von Innenminister Beckstein bei der Abschiebung straffälliger Ausländer stark gemacht. Ich habe keinerlei Probleme mit Ausländern, im Gegenteil.

SZ: Sie waren ein Fürst-Freund, und Sie haben eingeräumt, dass Sie sich mit ihm rechte Eskapaden erlaubten.

Schlegl: Ja. Das war 1990, da war ich ungefähr 20 Jahre alt. Ich kann mich erinnern, öfter die erste Strophe des Deutschlandliedes gesungen zu haben. Auch dass ich rechtsradikale Gesten gemacht habe, kann ich nicht ausschließen, es wurde viel Alkohol getrunken.

Das alles bedauere ich sehr, und ich will es keineswegs als Jugendsünden abtun. Es war ein grober Fehler. Aber die Vorwürfe, ich hätte mir in den letzten Jahren rechtsradikale Entgleisungen geleistet, sind Lügen.

SZ: Irgendwann wollen Sie die Wandlung vom Saulus zum Paulus vollzogen haben. Ein Damaskus-Erlebnis?

Schlegl: Grundsätzlich muss ich sagen, dass es mir im Gegensatz zu Fürst immer um sachpolitische Themen ging und nicht um persönliche Macht. Er und sein Umfeld wurden mir immer suspekter. Und dann, im Jahr 1998, nachdem Fürst einen Prozess wegen rechtsradikaler Umtriebe hinter sich hatte, erzählt er mir in einem Vier-Augen-Gespräch wehmütig, seine Mutter habe seine Hakenkreuzfahne weggeschmissen. Ich dachte, das kann doch nicht wahr sein, der wird ja nie gescheiter. Seit diesem Zeitpunkt bekämpfe ich ihn.

SZ: Der CSU-Bezirksvorsitzende Hans Spitzner hat gesagt: ,,Gesinnung verjährt nie.'' Schlecht für Sie.

Schlegl: Hans Spitzner hat Recht. Ich kann aber für mich feststellen, dass ich im Gegensatz zu Fürst und einigen seiner Freunde nie rechtsradikal gesinnt war. Stattdessen würde ich mich als Mitläufer einstufen, der die Dimensionen leider nicht erkannt hat.

Es war keine Gesinnung, es war Dummheit, und ich beanspruche für mich, dass ich gescheiter geworden bin. Bedenken Sie, dass ich seit Jahren an der Spitze des Widerstands gegen Fürst stehe.

SZ: Wie erklären Sie sich dann, dass nun neue Vorwürfe gegen Sie vorliegen?

Schlegl: Für mich ist offensichtlich, dass ich ein Opfer von Thomas Fürsts Revanchismus bin. Er hat in seiner politischen Laufbahn immer ein krasses Feindbild gehabt. Im Moment personifiziere ich das. Fürst hat die hässliche Begabung, dass er Leute auf bestimmte Gegner einschwören kann. Im Moment bin ich der Feind Nummer eins. Von einem Fürst-Freund stammt der Satz: Der Schlegl muss vernichtet werden.

SZ: Wie beurteilen Sie die Rolle des CSU-Kreisvorsitzenden Franz Rieger?

Schlegl: Ich halte es für unverantwortlich, dass er sich auf meine Kosten seines Problems Fürst entledigen will nach dem Motto: Wenn der eine gehen muss, soll der andere auch verschwinden. Rieger spielt das Spiel von Fürst mit. Am Montag hat mich Rieger angerufen und mir nahegelegt, auf eine Stadtratskandidatur zu verzichten. Mit dubiosen Anspielungen auf Medienberichterstattung versucht er, Druck auf mich auszuüben.

SZ: Können Sie sich für die Zukunft eine Kooperation mit Rieger vorstellen?

Schlegl: Ja. Jeder muss über seinen Schatten springen.

SZ: Könnten Sie sich andererseits ein Leben ohne Politik vorstellen?

Schlegl: Durchaus. Mein Beruf als Ingenieur macht mir genauso Spaß, über meine Zukunft brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Schade wär's halt, weil ich ein Herzblut-Politiker bin. Das werden Ihnen meine Stadtratskollegen bestätigen.