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Regensburg:Erst die Kirche, danach die Gemeindewohnung

Während sich die Kirche zurückhaltend äußert, haben die Flüchtlinge viel zu erzählen. So viel, dass sie am Mittwoch eine Pressekonferenz im Innenhof des Doms halten. Isen Asanovski, Lederjacke, Jeans, Lederschuhe, steht vor einem Pulk aus Kameras und Mikrofonen, zwischen den Beinen der Reporter wuseln Kinder der Protestierenden.

Die Flüchtlinge stammen aus Albanien, aus Kosovo, aus Mazedonien, aus Serbien. Einige von ihnen haben die vergangenen Monate und Jahre in Flüchtlingsunterkünften in Regensburg verbracht, andere sind aus dem Rückführungszentrum in Manching bei Ingolstadt hergekommen.

Zum Beispiel Albana Ademi, blondiertes Haar, Pferdeschwanz. "Wir suchen einfach Schutz", sagt die 27-Jährige in akzentfreiem Deutsch. Sie ist mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in den Regensburger Dom gekommen - weil ihrem Mann bei einer Abschiebung nach Kosovo die Todesstrafe drohe, weil ihre Krebserkrankung dort nicht behandelt werden könne. "Wenn wir abgeschoben werden, sind wir tot", sagt Albana Ademi.

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Auch Edita Qarri, 26, hat die Nacht im Dom verbracht. Mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern, von denen vier an diesem Mittwochvormittag in der Schule sind. Dort, wo sie seit drei Jahren Deutsch lernen, wo sie integriert sind und Freunde haben. Aus einem Koffer kramt Edita Qarri einen Papierstapel, zieht das Attest eines Arztes raus. Ihre älteste Tochter ist schwerstbehindert, in mehreren Attesten warnen die Ärzte davor, das Mädchen zurück in ihre Heimat zu schicken, "wo sie weder eine Schule besuchen, noch Arzttermine wahrnehmen könnte", so der Wortlaut.

Im Regensburger Dom kümmert sich ein Arzt aus einem katholischen Krankenhaus darum, dass die Menschen medizinisch versorgt sind. "Wir sind der Kirche sehr dankbar", sagt Isen Asanovski. Auch dafür, dass das Bistum ein Eingreifen der Polizei bislang ablehnt. Entsprechend ruhig sei die Nacht im Dom gewesen, erzählt er: "Es war wunderbar. Niemand hat aus dem Fenster geguckt, ob ein Polizeibus wegen der Abschiebung kommt. Zum ersten Mal seit Monaten konnten die Kinder ohne Angst schlafen."

Isen Asanovksi gehört zur Gruppe "Vereinigte Roma Hamburg", die im vergangenen Herbst einen ähnlichen Protest in der Hamburger Michaelis-Kirche organisiert hat. Damals blieben die Flüchtlinge vier Wochen lang in der Kirche und wurden danach in Gemeindewohnungen untergebracht. Darauf hofft Asanovski nun auch in Regensburg: "Wir bleiben hier eine Woche, zwei, zehn Monate, egal. Wir haben keine andere Chance."