Die Regensburger Tafel, die nach eigenen Angaben 5000 bedürftige Menschen in der Woche mit Lebensmitteln versorgt, bleibt mehr als zwei Monate lang geschlossen. Wie die von Ehrenamtlichen betriebene Sozialeinrichtung auf ihrer Internetseite schreibt, soll der Betrieb nach einer Sommerpause am 15. September weitergehen. Der Tafel-Verein begründet die kurzfristige Schließung mit „personellen Gründen und der immer noch andauernden Dachsanierung“ im Gebäude. Regensburger Lokalmedien berichten zudem von internen Streitigkeiten.
In der Stadt entzündet sich einige Monate vor der Kommunalwahl 2026 ein politischer Streit um die Konsequenzen der unvorhergesehenen Schließung. Die Regensburger SPD-Fraktion äußerte sich am Dienstag alarmiert. „Eine richtig dramatische Situation für die Betroffenen, die uns zudem sehr kurzfristig erreicht“, wurde Fraktionschef und OB-Kandidat Thomas Burger in einer Pressemitteilung zitiert. „Jetzt ist es wichtig, rasch und pragmatisch ein zumindest temporäres Ersatzangebot zu organisieren.“ Der SPD-Politiker forderte die Regensburger Stadtspitze um Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) dazu auf, entsprechende Pläne vorzubereiten.
Die für bedürftige Menschen zuständige Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein, OB-Kandidatin der CSU, hatte sich zuvor zurückhaltend zur Rolle der Stadt geäußert. „Jedes Mosaiksteinchen in unserem engen sozialen Netz fehlt, wenn es ausfällt“, sagte sie der Mittelbayerischen Zeitung. „Aber es ist mir wichtig zu sagen: Die Grundversorgung armer Menschen übernimmt in Deutschland der Staat.“ Deutschlands Sozialstaat sei stark genug, um Bedürftige zu versorgen.
In der SPD lösten Freudensteins Äußerungen Protest aus. „Von einer Sozialbürgermeisterin erwarte ich mehr als Schulterzucken, wenn die Tafel mehrere Wochen schließen muss“, teilte die Regensburger Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner am Dienstag auf Facebook mit. „Was es jetzt braucht, ist beherztes Handeln.“
Die Vorsitzende der Regensburger Tafel war am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen. Der Schriftführer des Vereins äußerte sich in der Mittelbayerischen Zeitung erstaunt angesichts der Aufregung. „Wir haben schon immer in den Sommerferien geschlossen, weil auch viele unserer Kunden und Helfer verreist sind“, sagte er. Dass die Essensausgabe schon mehrere Wochen vor den Ferien eingestellt werde, begründete auch er mit nötigen Reparaturen am Hausdach.

