Die Vorsitzende der Tafel in Regensburg sitzt seit vergangenem Freitag in Untersuchungshaft. Das hat ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag der SZ bestätigt. Es gab Ermittlungen und eine Anzeige gegen Jonah L. wegen Untreue, im Juni wurde die Tafel durchsucht. „Das Amtsgericht Regensburg bejaht die Haftgründe der Flucht- und Verdunkelungsgefahr“, so der Sprecher.
Der Tafel-Vorsitzenden werde vorgeworfen, Vermögenswerte veruntreut zu haben, die eigentlich für die Tafel vorgesehen waren. Es handele sich um eine Summe von 69 000 Euro und um 352 Fälle. Mehr wird derzeit nicht mitgeteilt. Der Sprecher verweist aber noch darauf, dass es noch einen weiteren Tatvorwurf gebe, der aber nicht mit der Tafel zusammenhänge.
L. leitet die Tafel seit 2021, seit 2023 ist sie auch stellvertretende Bundesvorsitzende der Tafel Deutschland e.V. Zudem wurde sie von der Regensburger CSU als Kandidatin für den Stadtrat aufgestellt. Nachdem ihre Verhaftung bekannt wurde, teilte die örtliche CSU mit, dass Jonah L. von ihrer Kandidatur zurücktrete.
In Regensburg rumort es seit geraumer Zeit: Die Tafel hat derzeit geschlossen, zehn Wochen lang – erst am 15. September soll es wieder Lebensmittel geben. Die rund 5000 Bedürftigen, die von der Tafel nach eigenen Angaben wöchentlich versorgt werden, sind also für lange Zeit auf andere Anbieter angewiesen. Ein weiterer gemeinnütziger Verein, der in Regensburg Essensausgaben organisiert, wirft der Tafel vor, zu lange Schließungszeiten zu haben und nicht an die Kunden zu denken.
Viele Betroffene sind überrascht von der langen Schließzeit, denn normalerweise ist die Tafel in den Sommerferien nur vier Wochen lang zu. Georg Forster, Schriftführer der Tafel, sagte der SZ vor knapp drei Wochen, er selbst könne sich nicht vorstellen, dass an den Vorwürfen gegen die Vorsitzende etwas dran sei. Mehr wollte er nicht sagen. Wer sich in Regensburg umhört, erfährt von internen Streitigkeiten und ehemaligen Mitarbeitern, die etwas gegen die Vorsitzende hätten. Ganz so haltlos scheinen die Vorwürfe allerdings nicht zu sein. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls setzt ihre Ermittlungen in dem Fall fort.

