Regensburg Suspendierter OB plant nach einem Freispruch erneute Kandidatur

Mit seiner Ankündigung hat der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs für Aufregung gesorgt.

(Foto: dpa)
  • Der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) hat angekündigt, bei der Kommunalwahl 2020 wieder antreten zu wollen.
  • Die Regensburger SPD-Chefin Margit Wild bezeichnete Wolbergs etwaige Absichten als "schwierig".
Von Andreas Glas, Regensburg

Mit der Ankündigung, bei der Kommunalwahl 2020 wieder antreten zu wollen, hat der suspendierte Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) am Donnerstag für Aufregung gesorgt. Eine entsprechende Absicht hatte er in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk geäußert. Dass Wolbergs zugleich andeutete, nicht mit einer eigenen Liste kandidieren zu wollen, sondern als SPD-Kandidat, löste auch innerhalb der Partei Irritationen aus - schließlich steht Wolbergs wegen Korruptionsverdachts vor einem langwierigen Gerichtsprozess, der voraussichtlich im kommenden Herbst beginnt.

"Ich würde ihn schon bitten, die Verhandlung abzuwarten", sagte die Regensburger SPD-Chefin Margit Wild über Wolbergs und bezeichnete dessen etwaige Absichten als "schwierig". Auf SZ-Nachfrage relativierte Wolbergs seine Aussagen im BR und stellte klar, dass eine Kandidatur nur in Frage käme, "wenn ich freigesprochen bin".

Weiter sagte er: "Eine Person, die nur ansatzweise mit Korruption in Verbindung gebracht wird, ist nicht an der Spitze der Stadt tragbar." Es gehe ihm zunächst nur darum, für einen Freispruch zu kämpfen, "weil ich davon überzeugt bin, dass ich unschuldig bin. Wenn ich freigesprochen bin, will ich wieder in mein Amt und dann kandidiere ich wieder", sagte Wolbergs, dessen seit Januar 2017 bestehende Suspendierung erst am Mittwoch von der Landesanwaltschaft bestätigt worden war - unter anderem mit der Begründung, dass davon auszugehen sei, dass Wolbergs "derzeit nicht das Ansehen und die Autorität hat, die für die Ausübung des Amtes als Oberbürgermeister der Stadt Regensburg notwendig sind". Darüber hinaus hatte auch die Landesanwaltschaft auf den Umstand hingewiesen, dass sich Joachim Wolbergs "einer zeitaufwendigen Hauptverhandlung wird stellen müssen".

Im bevorstehenden Prozess geht es um mutmaßlich verschleierte Parteispenden aus dem Umfeld eines Bauunternehmers und darum, dass Wolbergs den Unternehmer bei Grundstücksgeschäften bevorzugt haben könnte. Dem OB werden unter anderem mehr als 20 Fälle der Vorteilsannahme vorgeworfen.

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