Na, gut, dann stehen da eben ein paar Absperrgitter, könnte man nun sagen. Ist ja schließlich auch ein Mann in die Tiefe gestürzt und gestorben. Das sollte wohl Grund genug sein, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Nur: Die Absperrgitter stehen halt nicht irgendwo, wo’s eh mittelmäßig schön aussieht, sondern auf der Walhalla.
Dieser weiß leuchtenden Ruhmeshalle, die in klassizistischer Pracht auf grünen Hügeln in der Nähe von Regensburg thront. Ein Tempel, geschaffen von einem der wichtigsten Baumeister des 19. Jahrhunderts, Leo von Klenze, in Auftrag gegeben von König Ludwig I. Selbst wer sich mehr für den Schuh des Manitu und dessen Kanu interessiert als für das 19. Jahrhundert, wandert gerne zur Walhalla hoch. Weil man so einen herrlichen Blick hat und weil es sich in luftigen Höhen auf der weißen Terrasse vortrefflich picknicken lässt, so frei schwebend über allem.

SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren
Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.
Und dann versperren einem weiß-rot-gestreifte Warnbaken den Blick und man wähnt sich weniger als Besucher eines Denkmals und mehr als Verkehrsinsel-Tourist. So muss es wohl Christian Blüml (CSU) gegangen sein, dem Bürgermeister von Donaustauf, gleich zu Füßen der Walhalla, der zu drastischen Worten griff. Die Walhalla, so sagte er das, liege nun „in Ketten“.
Gut zwei Monate ist es her, dass im Juli ein 32-jähriger Tourist aus Baden-Württemberg von der Walhalla acht Meter in die Tiefe stürzte und starb. Seitdem stehen dort provisorisch die Absperrgitter, seitdem streiten sie in Bayern, was davon zu halten ist. Die einen, etwa im Ortsverband der CSU Donaustauf-Sulzbach, kämpfen mit einer Petition dafür, dass es keine dauerhaften Veränderungen an der Walhalla gibt. In den Achtzigerjahren war das offenbar eine Position, auf die sich alle einigen konnten. Einstimmig beschloss der Landtag einen Antrag, der sich gegen Schutzgitter an der Walhalla aussprach. Gegen eine seit Jahren zunehmende Regelwut und für mehr Eigenverantwortung könnte man jetzt plädieren. Nur: Es ist halt ein Mensch gestorben. Und er war nicht der erste.
In den vergangenen Jahren stürzten sie in regelmäßigen Abständen auf den Treppen der Walhalla und krachten auf die darunterliegende Terrasse. Viele verletzten sich, ein weiterer Mann starb dabei. Deshalb fragen sich die anderen, wie das denn sein könne, dass in Deutschland schon eine Türschwelle im Kindergarten als großes Sicherheitsrisiko gilt, meterhohe, ungesicherte Treppen aber nicht. Und: Auch wenn es sicher stimmt, dass die jetzige Verkehrsinsel-Ästhetik abschreckend auf Touristen wirkt, so könnten fortlaufende Todesfälle doch noch eine Spur abschreckender wirken.
Die Lage ist also verzwickt. Das lässt sich schon daran ablesen, dass die vom Finanzministerium einberufene Arbeitsgruppe, die darüber entscheiden soll, wie es nun weitergeht, immer noch tagt. Eine Bitte aber haben selbst die Sicherheitsbefürworter: Ein bisschen schöner als rot-weiße Warnbaken sollte eine dauerhafte Absicherung schon sein.

