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Regensburg: Prozess gegen Neonazis:Rechter Schläger kommt in Haft

Im Juni 2010 hatte eine Gruppe Neonazis einen Barmann in Regensburg zusammengeschlagen. Doch das Gericht verurteilt in diesem Fall nur einen der Angeklagten - aus Mangel an Beweisen.

Freiheitsstrafen und drei Freisprüche: Im Prozess um eine Gruppe Neonazis vor dem Landgericht Regensburg wurden am Mittwoch die Urteile verkündet. Der Hauptangeklagte muss unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Zwei weitere Täter wurden aufgrund anderer Vorfälle zu Freiheitsstrafen von einerseits zwei Jahren und neun Monaten und anderseits zehn Monaten verurteilt.

Als bekannteste Tat hatte die Staatsanwaltschaft fünf jungen Männern einen Überfall auf einen Barmann im Lokal "Picasso" im Juni 2010 zur Last gelegt. Von diesem Vorwurf aber sprach der Vorsitzende Richter Carl Pfeiffer alle Angeklagten bis auf den Anführer frei - aus Mangel an Beweisen. Es sei erwiesen, dass sich die Gruppe in der Bar aufgehalten habe. "Aber das Gericht kann nicht feststellen, wer sich beteiligt hat", sagte Pfeiffer. Zwar sei es zwischen dem Hauptangeklagten und dem Barmann zu einer Schubserei gekommen. Das Gericht geht aber davon aus, dass es keinen gemeinsamen Plan gab, dem Opfer einen Denkzettel zu verpassen.

Wer außer dem Hauptangeklagten zugeschlagen habe, lasse sich anhand der Zeugenaussagen nicht feststellen, so das Gericht. "Wir können niemanden belangen, der nicht identifiziert werden kann. Deshalb: Im Zweifel für den Angeklagten", erklärte Richter Pfeiffer.

Nur der Anführer der Gruppe sei zweifelsfrei zuzuordnen. Neben dem Angriff im "Picasso" muss der 25-Jährige noch wegen einer weiteren gefährlichen Körperverletzung ins Gefängnis: Auf der Regensburger Herbstdult im September 2010 schlug er einem 16-Jährigen einen Maßkrug ins Gesicht. Außerdem wurde er wegen Beleidigung, Sachbeschädigung, Volksverhetzung und wegen des Zeigens von Hakenkreuzen verurteilt.

© SZ vom 09.06.2011/bica
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