bedeckt München 24°

Regensburg:Lieber CDU als Schmusekurs gegenüber Populisten

Bayerischer Pfarrer wechselt zur CDU

Er wolle nach wie vor christliche Werte in die Politik einbringen, sagt Pfarrer Ulrich Schneider-Wedding. Deshalb ist er nach seinem Austritt aus der CSU der CDU beigetreten.

(Foto: dpa)
  • Der evangelische Pfarrer Ulrich Schneider-Wedding ist verärgert, dass Kanzlerin Angela Merkel "wegen ihrer humanitären Haltung angegriffen wird".
  • Er hat der Partei von Ministerpräsident Horst Seehofer deshalb den Rücken gekehrt.
  • In einem Brief wirft er der CSU vor: "Sie päppeln Populisten erst hoch."

Von Olaf Przybilla, Regensburg

Angefangen hat der Ärger über seine CSU zu Beginn des Jahres, sagt Pfarrer Ulrich Schneider-Wedding. Damals war er noch CSU-Mitglied, als dann aber "die Angriffe Horst Seehofers auf Angela Merkel" begannen, da habe er sich zu fragen begonnen: "Ja, wo sind wir eigentlich?" Jedenfalls ist er dann im März 2016 aus seiner Partei, der CSU, ausgetreten. Er habe allerdings nicht aufhören wollen damit, "christliche Werte aktiv in die Politik" einzubringen.

Und deshalb ist er danach, obgleich evangelischer Pfarrer in Regensburg, in die CDU eingetreten. Am Freitag hat der 55-Jährige einen Brief in die Staatskanzlei abgeschickt, an den Ministerpräsidenten und seinen ehemaligen Parteichef. Mit einer zentralen Aussage: "Als Christ und als Pfarrer konnte ich nicht länger eine Partei unterstützen, aus der heraus Merkel wegen ihrer humanitären Haltung angegriffen wird."

Er habe deutlich mehr Lust, schreibt der Pfarrer an Seehofer, eine zu einer modernen Partei sich entwickelnde CDU zu unterstützen, "als Ihren Schmusekurs gegenüber populistischen Strömungen". Der Kurs der CSU mache Populisten nicht überflüssig, ist der Pfarrer überzeugt: "Sie päppeln sie erst hoch." Was die CSU biete, sei seiner Ansicht nach "Populismus light", ein "unausgegorenes, halbschariges Konzept", das nicht nur nicht aufgehe, sondern die Gefahr von rechts noch zu verstärken drohe.

Seriöse Parteien, schreibt der Pfarrer, stünden vor der Entscheidung, Kompromisse in die populistische Richtung einzugehen oder diesen Strömungen entschlossen entgegenzutreten. "Oder, das wäre das Beste, eine Konzeption anzubieten, mit der wir bei den Problemfeldern Soziales, Ökologisches und Weltfrieden/Migration endlich einmal vorwärtskommen." Die Seehofer-Forderung nach Flüchtlingsobergrenzen sei dagegen "zu kurz gedacht".

Schneider-Wedding hat eigenen Angaben zufolge öfters aushilfsweise als Pfarrer in Thüringen gearbeitet. Dies habe ihm nun beim Eintritt in die CDU geholfen. In Ausnahmefällen können Interessenten auch in den Kreisverband eintreten, in dem ihr Arbeitsplatz liegt. Der Regensburger Pfarrer sei nun Mitglied der CDU im Kreisverband Greiz, bestätigt die dortige Kreisgeschäftsführerin. Auf die Reaktion seines Ministerpräsidenten sei er gespannt, sagt er.

© SZ vom 26.11.2016/imei

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite