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Regensburg:Nach Korruptionsaffäre: Nachfolger für Wolbergs bringen sich in Position

Seit Joachim Wolbergs in Untersuchungshaft sitzt, hat Gertrud Maltz-Schwarzfischer die Dienstgeschäfte übernommen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dabei weiß keiner, wann in Regensburg die Neuwahlen für das Amt des Oberbürgermeisters anstehen. Unterdessen wabern neue Gerüchte in der Korruptionsaffäre.

Es war nur ein Versprecher, aber einer, der vielleicht Einblick gibt in die Gedankenwelt der Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Vor ein paar Tagen erzählte sie einem Reporter von ihrem Besuch im Gefängnis, und davon, dass sie mit Joachim Wolbergs nur über "dienstliche Angelegenheiten" gesprochen habe. Diese Angelegenheiten, sagte Maltz-Schwarzfischer, seien wichtig, "wenn man plötzlich so ein Amt übernimmt" - um sich sofort zu korrigieren: "wenn man die Dienstgeschäfte übernimmt". Ein Versprecher nur, aber der Versprecher weckte den Eindruck, dass die Zweite Bürgermeisterin sich mit dem "Amt" gut anfreunden könnte.

Seit bald zwei Wochen leben die Regensburger ja in einem Schwebezustand. Seit bald zwei Wochen hat Gertrud Maltz-Schwarzfischer, 56, quasi kommissarisch die OB-Rolle inne. Dass die Landesanwaltschaft den inhaftierten Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vorübergehend suspendiert hat, ändert nichts am Schwebezustand. Nur wenn der unter Korruptionsverdacht stehende SPD-Politiker rechtskräftig verurteilt ist oder selbst zurücktritt, kann ein neuer OB gewählt werden. Das könnte dauern, bisher gibt es kein Anzeichen, dass Wolbergs von sich aus hinschmeißt. Dass er ins Amt zurückkehrt, ist dennoch ausgeschlossen, selbst die eigene Partei hat dieses Szenario für utopisch erklärt. Es ist also nur logisch, dass sich hinter den Kulissen bereits die Nachfolgekandidaten in Stellung bringen.

Dass Gertrud Maltz-Schwarzfischer zu den Kandidaten gehört, ist kein Geheimnis, auch wenn das in der Regensburger SPD noch keiner offen sagen will. Hinter vorgehaltener Hand dagegen sagt ein SPD-Politiker: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass Frau Maltz-Schwarzfischer Ambitionen hat". So oder so ähnlich hört man das zurzeit oft aus der Partei. "Sie wäre die nächstliegende Kandidatin", sagt zum Beispiel Tonio Walter, der im Vorfeld der OB-Wahl 2008 selbst als Kandidat und Wolbergs-Widersacher galt. Auch Walter war zuletzt als möglicher Wolbergs-Nachfolger gehandelt worden. Doch er winkt ab: "Aus beruflichen wie persönlichen Gründen schließe ich das definitiv aus."

Dass Tonio Walter - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - eine Kandidatur ausschließt, dürfte manche derjenigen enttäuschen, die sich einen personellen Neuanfang in der Partei wünschen. Erstens gehörte Walter zuletzt nicht dem Stadtrat an und gilt als unbelastet. Zweitens ist er zurzeit praktisch der Einzige in der Regensburger SPD, der die eigenen Versäumnisse der Partei anspricht. Welcher Sozialdemokrat auch immer für die Wolbergs-Nachfolge kandidiere, sagt Walter, "er muss politische Mitverantwortung übernehmen und den Regensburgern vermitteln, dass es uns leid tut, dass die parteiinternen Kontrollen versagt haben, dass wir den Joachim Wolbergs haben machen lassen".

Bei Maltz-Schwarzfischer und dem ebenfalls als OB-Kandidat gehandelten Stadtrat Thomas Burger, 46, bestehe sonst "die Gefahr, dass die Bürger sie noch zu stark dem System Wolbergs zurechnen und für das Gewesene verantwortlich machen". Vielleicht auch deshalb bringt Walter eine Urwahl für den Kandidaten ins Spiel.

Bei der CSU ist die Sache eindeutiger, auch wenn niemand offen darüber spricht. Astrid Freudenstein, 43, Bundestagsabgeordnete und Stadträtin, gilt als große Favoritin für eine OB-Kandidatur. Freudenstein verkörpert vieles von dem, was der CSU fehlt: Sie ist jung und trotzdem politisch erfahren, weiblich und vor allem nicht verschlissen in den jahrelangen Regensburger Machtkämpfen. Auch für sie könnte eine OB-Wahl reizvoll sein: Im Kampf um das Direktmandat unlängst knapp unterlegen, muss sie um ihren erneuten Einzug in den Bundestag bangen.

Dass sich die Wähler auch jenseits von CSU und SPD einen OB vorstellen können, zeigte das Beispiel Landshut, wo sich sensationell Alexander Putz (FDP) durchsetzte. Er positionierte sich erfolgreich als ein Kandidat außerhalb des Systems. So eine Strategie dürfte in Regensburg, wo in jüngerer Vergangenheit nahezu jede Partei am Regierungstisch saß, jedoch schwierig sein.

Während über die Wolbergs-Nachfolge spekuliert wird, machen auch in der Korruptionsaffäre Gerüchte die Runde. Etwa ein Medienbericht, wonach Ermittler in Regensburger Banken mehrere Kilo Gold in Schließfächern gefunden hätten. Und dass in Wolbergs' Privatwohnung 170 000 Euro in bar sichergestellt worden seien. Letzteres hat ein Wolbergs-Anwalt zumindest insofern dementiert, dass ein solcher Fund nicht in den Durchsuchungsprotokollen aufgeführt sei.

© SZ vom 01.02.2017/imei

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