Nach dem Abi ruft die Freiheit. Manche fangen nach der Schule gleich an zu studieren. Andere flüchten für ein Jahr nach Australien oder Südostasien, um sich dort mit der Frage zu beschäftigen, was sie und das Leben so miteinander vorhaben. Und Hank? Hat seine Eltern überredet, ein Jahr lang nur Musik machen zu dürfen.
Keine schlechte Idee: Denn weil der Regensburger im Zeitalter von Instagram und Tiktok groß geworden ist, hat er mit den Songs aus seinem Kinderzimmer massig Streams gesammelt. Mittlerweile sind es über alle Plattformen hinweg mehr als 100 Millionen. Manch einer sieht in dem 21-jährigen Hank bereits den nächsten Popstar der Gen Z, der es schafft, das Lebensgefühl zwischen materiellem Überfluss, postpandemischen Problemen und Zukunftsangst in Text und Melodie zu übersetzen.
Spätestens seit der Pandemie ist so ein Karrierestart ein neues Phänomen unter Rapperinnen und Rappern und anderen jungen Musikerinnen und Musikern. Da komponiert jemand vor sich hin, im Kinderzimmer statt im Studio und ohne großes Label im Rücken, und weil er oder sie genau den Sound der Zeit trifft, geht ein Song viral. Eines der bekanntesten Beispiele für diesen Werdegang ist T-Low, der während Corona durch die Decke gegangen ist, sich inzwischen aber durch misslungene Live-Auftritte und wenig berauschende Neuerscheinungen ins Abseits geschossen hat. Ein kurzer Hype ist schnell entfacht. Die Kunst ist, die Begeisterung nachhaltig zu nähren.
Hank scheint das ganz gut zu gelingen. Noch als Teenager hat er mit „Rausgehen“ 2021 seinen ersten Erfolg gelandet: ein unbeschwerter Track über das Abhängen mit der Crew, in der alle das Privileg haben, am nächsten Morgen nicht früh aufstehen zu müssen. Das Ganze hat textlich wie musikalisch etwas von der Dresdner Gruppe 01099, die zu dieser Zeit gerne als Seismograf für den Musikgeschmack der Jungen herangezogen wurde: ein bisschen Rap, ein bisschen Autotune-Gesang und Texte, in der für sich genommen sinnfreie Jugendworte gekonnt miteinander verknüpft werden. Vor allem aber lässt sich Hanks Generation nicht von Genregrenzen aufhalten. Rap? Pop? Indie? Egal, klingt schließlich gut. Und ist musikalische Basis dafür, die großen Fragen des Lebens zu verhandeln. „Gibt es überhaupt noch echte love?“, fragt Hank in „Auf & ab“ – eine Frage, die fast alle Sängergenerationen vor ihm gestellt haben, nur vielleicht ein bisschen anders formuliert.
Hank nutzt das auch, ältere Werke in die Gegenwart zu übertragen. Sein Cover des Wir sind Helden-Klassikers „Nur ein Wort“ ist mit Abstand seine erfolgreichste Single, den Text hat der 21-Jährige für seine Generation angepasst: „Manchmal ist es leicht, aber manchmal ist es schwer / du bist on my mind, doch mein Kopf ist so leer“. Als das Original 2005 erschien, hat noch niemand so gesprochen. Erst recht nicht Hank: Der war ja erst frisch auf der Welt. Umso erstaunlicher, dass er sich „Nur ein Wort“ für sein erstes Cover ausgesucht hat. Durch seine Wahl jedenfalls trägt Hank zur musikalischen Verständigung der Generationen bei, was nicht schaden kann, während in den Debatten um Wehrpflicht und Rentenreform gerade Gräben zwischen Jung und Alt aufgerissen werden.
Ob das reicht, damit Hank in Zukunft als Referenz für die musikalischen Vorlieben der Gen Z herangezogen wird? Vor Kurzem hat er seinen ersten Labelvertrag unterschrieben. Im Herbst geht es auf Solotour. Das Heimspiel in der Alten Mälzerei in Regensburg Ende Oktober ist längst ausverkauft.

