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Regensburg: Erschossener Student:"Interessante Abweichungen"

Zwei Polizisten streckten ihn mit einem Dutzend Schüssen nieder: Ein neues Gutachten im Fall Eisenberg mehrt die Zweifel an der Notwehr-Theorie.

Max Hägler

Im Fall des erschossenen Musikstudenten Tennessee Eisenberg könnte ein neues Gutachten den bisher geschilderten Ablauf in Frage stellen. "Es wird wohl einige interessante Abweichungen zu den bisher vorliegenden Ermittlungsergebnissen geben", sagte Rechtsanwalt Helmut von Kietzell der Süddeutschen Zeitung. Details gebe es allerdings erst, wenn die Leitung des Mainzer Instituts für Rechtsmedizin das Gutachten freigebe; das werde Mitte September der Fall sein - später als angekündigt. Die Angehörigen Eisenbergs hatten die Untersuchung auf eigene Kosten in Auftrag gegeben, um das Geschehen am 30. April dieses Jahres zu klären.

"12 Kugeln, 12 Fragen" - die Bevölkerung zweifelt an der Notwehr-Theorie der Polizei.

(Foto: Foto: dpa)

Der Musikstudent war damals von zwei Polizisten mit einem guten Dutzend Schüssen niedergestreckt worden, sieben Kugeln trafen ihn von hinten. Nach bisheriger Darstellung durch Polizei und Staatsanwaltschaft handelt es sich um Notwehr. Der 24-Jährige sei mit einem Messer auf die Polizisten zugegangen.

Die Familie bezweifelt diese Darstellung. Ende Juli schien das auch für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu gelten. Im SZ-Interview sagte er auf die Frage nach dem Vorliegen einer Notwehrsituation, dass er den Ergebnissen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen wolle. In der Mittelbayerischen Zeitung ließ er sich ein paar Tage später mit dem Satz zitieren: "Ich habe keinen Zweifel, dass Notwehr oder Nothilfe vorliegen."

Die Aktenlage deutet indes auf ein unkoordiniertes Vorgehen der Beamten hin. Ein Polizist habe bei dem Einsatz seine im Holster steckende Pistole verloren, ein anderer habe durch den Pfefferspray-Einsatz seiner Kollegen einen Würgereiz bekommen und sei geflüchtet, zitierte jüngst das in Regensburg erscheinende Wochenblatt aus Vernehmungsprotokollen. In der Stadt ist der erschossene Student weiterhin Gesprächsthema. An verschiedenen Stellen waren zuletzt schwarze Banner aufgehängt mit dem Spruch "12 Kugeln, 12 Fragen".

Bei einer CSU-Diskussion in Regensburg, an der auch Innenstaatssekretär Bernd Weiß und der Oberpfälzer Polizeipräsident teilnahmen, beklagten am Dienstag mehrere Polizisten eine gereizte Stimmung in der Bevölkerung. Die Beamten forderten eine schnellere Bearbeitung des Falles und bessere Rückendeckung durch das Ministerium, dass die beiden Kollegen, die geschossen haben, in den Innendienst versetzt wurden, komme einer Vorverurteilung gleich. Weiß widersprach dieser Kritik; die Versetzung sei aus Fürsorge erfolgt.

© SZ vom 27.08.2009/holz

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