Schwer bewaffnet sind die Polizisten im historischen Stadtteil Prüfening unterwegs. Hier im Regensburger Westen, wo früher die Pferderennbahn war, steht heute ein modernes Viertel mit Wohnhäusern und einem kleinen Einkaufszentrum. In dessen Eckgebäude ist eine Filiale der Hypovereinsbank. Dort sticht am Donnerstagnachmittag ein 20-Jähriger auf einen Mann ein. Mit dem Angreifer sind noch weitere Menschen in der Bank. Zunächst wird eine Geiselnahme befürchtet.
Es beginnt eine Zeit, die der Regensburger Oberbürgermeister Thomas Burger (SPD) später als „Stunden großer Unsicherheit“ beschreibt. Erst gut drei Stunden nach der Alarmierung kann die Polizei die Festnahme des mutmaßlichen Angreifers vermelden: Spezialkräfte haben den Mann in dem Gebäude gefasst.
Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen, berichtet die Polizei später. Der 20-Jährige bleibt laut Behördenangaben unverletzt. Beamte drücken den jungen Mann, in einen weißen Anzug samt Kapuze gehüllt, in ein Auto und transportieren ihn ab. Das Opfer der Messerattacke, ein Mitarbeiter der Bank, ist da schon im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen.
Rathauschef Burger schreibt später auf Facebook von einem Vorfall, der ihn zutiefst erschüttere. „Den Angehörigen und nahestehenden Menschen gilt mein tiefstes Mitgefühl.“ Am Tag nach dem Angriff drückten Menschen an der Filiale ihre Trauer aus, indem sie Blumen ablegen und Kerzen aufstellen.

„Wir sind zutiefst bestürzt über den Verlust eines unserer Kollegen infolge dieses tragischen Vorfalls“, teilte die Hypovereinsbank am Abend mit. „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden sowie bei den weiteren betroffenen Kolleginnen und Kollegen.“ Die Unterstützung der Mitarbeitenden habe nun höchste Priorität. Die Bank arbeite zugleich eng mit den Behörden zusammen.
Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den 20-Jährigen wegen eines Tötungsdelikts und eines Raubüberfalls. Am Freitag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden. Am Mittag wollen Polizei und Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz über den Fall berichten.
Direkt nach der Tat werden Hubschrauber und Spezialkräfte angefordert. Die Menschen im Stadtteil werden aufgerufen, den Bereich rund um die Bank zu meiden. „Der Schutz der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität“, betont die Polizeisprecherin. Die Sperrmaßnahmen werden am Donnerstagabend wieder aufgehoben.


Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt später, der erstochene Mann sei „das Opfer eines brutalen, unvermittelten Angriffs“ geworden und habe „offensichtlich keine Chance“ gehabt. Er sei mit seinen Gedanken bei seiner Familie und den Angehörigen. Der Einsatz der Spezialkräfte war Herrmann zufolge „professionell und präzise“ gewesen.
Vor dem Täter können Spezialkräfte der Polizei – die teils wie Ritter zum Schutz vor Messerstichen am ganzen Körper in Kettenhemden gehüllt sind – zwei weitere Menschen aus der Bank holen, auch beides Bankangestellte. Äußerlich scheinen sie unverletzt zu sein. Speziell geschulte Kräfte zur Krisenintervention sind vor Ort, um ihnen helfen zu können.

Erst gegen 18 Uhr führen Spezialkräfte dann den Verdächtigen selbst aus dem Gebäude. Polizisten beginnen damit, die Räumlichkeiten abzusuchen.
„Wir gehen aktuell von einem Einzeltäter aus“, sagte eine Polizeisprecherin. Hinweis auf weiteren Beteiligte gebe es jedenfalls nicht. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln jetzt zu den Hintergründen. Bislang ist das Motiv des 20 Jahre alten Verdächtigen unklar.


