Regen Der Popstar der Bayern-SPD tritt ab

Im Jahr 2013 geriet Adam in Erklärungsnot. Die Tür in sein Privatleben war eingetreten worden. Einen Rücktritt schloss er damals aber aus.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Kometenhafter Aufstieg, Rampenlicht, Sex-Skandal: Wegen Michael Adam schaute die ganze Republik auf Regen. Nun will der Landrat raus aus dem "Käfig" Politik.

Von Roman Deininger und Andreas Glas

Eine Künstlerin aus dem Bayerischen Wald hat ein Porträt des Landrats Michael Adam gemalt, das Bild zeigt einen schmalen Knaben. Das war Adam, als seine fabelhafte Geschichte begann. Die Künstlerin hat eine Weile gebraucht für ihr Werk, entgegen genommen hat es dann ein breiter Mann. Es ist viel passiert im Leben des Michael Adam, und man sieht ihm das an.

Es kommt nicht oft vor, dass ganz Deutschland auf den Bayerischen Wald blickt. Aber im März 2008 gab es mal was zu sehen: Adam war blutjung, rot, evangelisch, offen schwul, er war alles, was man nicht erwarten würde in einer der schwärzesten Ecken dieses schwarzen Landes. Er war Bürgermeister von Bodenmais, seinem Heimatort, mit 23 Jahren. Bis man sich versah, war er Landrat des Landkreises Regen, mit 27. Man nannte ihn den Retter der darbenden Bayern-SPD, man feierte ihn als größtes Talent der deutschen Sozialdemokratie.

Die Genossen umgarnten damals ihren jungen Star, alle wollten sich mit ihm blicken und knipsen lassen. Am Anfang machte er gern mit, das Rampenlicht schmeichelte ihm, "das hat mir gefallen", sagt er. Die Parteifreunde präsentierten ihn wie eine Trophäe. Die SPD erklärte den Bayerwald zum bayerischen Broadway: If you make it there, you'll make it everywhere. Wer es im Wald schafft, wird es überall schaffen. Adam schaffte es am Ende nicht mal, bei der Bundestagswahl 2013 SPD zu wählen. Auf Facebook teilte er mit, er habe seine Stimme der CSU gegeben.

"Googeln Sie mal Einsamkeit"

Im gleichen Herbst erschien die Bild-Zeitung mit Adams Bild und der Schlagzeile "Sex im Amt". Ein Landrat, ein Liebhaber, ein Ledersofa - drei Zutaten, fertig war der Skandal.

Die Boulevardpresse hatte die Tür in sein Intimleben eingetreten. Und was tat Adam? Riss auch noch die Fenster auf. Nicht mit einem Mann habe er Sex gehabt, sagte er bei einer Pressekonferenz. Nein, es waren sechs. Nicht nur im Landratsamt, nein, auch im Rathaus in Bodenmais.

Wie hat er all das überstanden? "Googeln Sie mal Einsamkeit", sagt Michael Adam, er ist 32 heute, immer noch ein junger Mann. Er sitzt in seinem Landratsbüro, das er bald räumen wird. Er sagt: "Man kann auch unter tausend Leuten einsam sein." Als Politiker sei man immer mittendrin, schon richtig. Aber auch in der Menge sei man am Ende allein, weil ja alle nur den Herrn Landrat sehen. "Für den Adam Michael aus Bodenmais interessiert sich keiner."

Eigentlich wollte Adam in diesem Herbst zur Wiederwahl antreten; kaum einer in der Gegend zweifelt daran, das er die Wahl gewonnen hätte. Aber er sagt, er wolle nur raus. Raus dem "Käfig", der sein Amt für ihn ist. Er will ein Studium anfangen, in Passau, eine Autostunde südlich von Regen. Er fängt nochmal bei null an, oder besser: unter null. Abi 2017. Im Kreistag ist er der Jüngste, im Hörsaal wird er zu den Ältesten gehören. Michael Adam sagt: "Ich hoffe, es wird ein besseres Leben sein. Aber das weiß ich nicht."

Nichts wie weg hier

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