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Recycling:Altötting wehrt sich gegen die Mülltrennung

Biomüll

Ohne eigenen Komposthaufen im Garten bleibt den meisten in bayerischen Haushalten die braune Biotonne, um ihre Abfälle zu entsorgen.

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Im Landkreis Rosenheim gilt seit dem 1. Januar nun auch die Trennung von Bio- und Restmüll.
  • Die Regelung gilt bereits seit 2015 für ganz Deutschland.
  • Nur Altötting will die Mülltrennung nicht einführen.

So leicht wie bisher sollen es sich die Bürger im Landkreis Rosenheim von sofort an nicht mehr machen: Kartoffelschalen, Kaffeesatz oder Essensreste einfach in die Mülltonne zu werfen, ist hier seit Jahresbeginn nicht mehr vorgesehen. Stattdessen sollen die Menschen ihren Biomüll nun vom Restmüll trennen und in einen der 42 Wertstoffhöfe im Landkreis bringen.

Damit haben der Freistaat und der Bezirk Oberbayern auch hier eine Regelung durchgesetzt, die eigentlich schon seit Anfang 2015 in ganz Deutschland verbindlich ist, nämlich das gesonderte Sammeln des Biomülls aus den Haushalten. Weil auch andere ihren Widerstand aufgegeben haben, wird das Landesamt für Umwelt auf seiner Biomüll-Karte bald nur noch Altötting weiß färben müssen.

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In Altötting steht Landrat Erwin Schneider (CSU) spätestens seit dem letzten Wahlkampf bei den Bürgern im Wort. Eine Biotonne werde nur über seine Leiche eingeführt, hatte Schneider versprochen. Er hält als letzter Landrat dem Druck der Staatsregierung stand, den diese seit Längerem über die Bezirksregierungen ausübt. Denn in Bayern lenken außer Altötting inzwischen alle Kreise ein, wenn auch mit unterschiedlichen Systemen.

Ähnlich wie nun der Landkreis Rosenheim verfahren seit einigen Monaten die Stadt Rosenheim und der nahe Landkreis Mühldorf, wo die Bürger ihren Biomüll zu Wertstoffhöfen bringen sollen. Das Berchtesgadener Land führt statt eines solchen Bringsystems zum Herbst ein Holsystem mit Biotonne für alle Haushalte ein, und auch in Traunstein geht der Trend zur Tonne. In der nördlichen Oberpfalz soll es Biotonnen für alle Bürger geben, die keinen eigenen Komposthaufen haben. Regensburg und Umgebung sowie das nordwestliche Oberfranken setzen wiederum auf Bringsysteme.

Die meisten von ihnen tun das eher widerwillig und notgedrungen, um endlich Ruhe vor ihren Bezirksregierungen zu haben, während im großen Rest des Landes schon längst mehr oder weniger flächendeckend Biotonnen abgeholt werden. Mehr als 50 Kilogramm Biomüll landen laut Landesamt für Umwelt im bayerischen Durchschnitt pro Jahr und Bürger in diesen Biotonnen - ein gutes Drittel des insgesamt erfassten Bioabfalls, denn die weitaus größeren Mengen kommen als Grüngut aus Privatgärten und aus den öffentlichen Parks in den Wertstoffhöfen zusammen. Das Grüngut wird nahezu komplett kompostiert, während ein großer Teil des Biomülls aus dem Haushalt zu Biogas vergoren und zur Energieproduktion genutzt wird.

Genau darauf und auf den Erhalt der Biomasse als Boden und Dünger für Landwirtschaft zielen die europaweiten und deutschen Regelungen, denen sich in Bayern wohl bald nur noch der Landkreis Altötting widersetzen wird. Der stellt den Zahlen des Landesamts für Umwelt eigene Zahlen entgegen, wonach der weitaus größte Teil des Biomülls im Landkreis privat kompostiert wird. Für die paar wenigen übrigen Kilogramm pro Person und Jahr lohne sich ein aufwendiges Sammelsystem weder ökologisch noch ökonomisch.

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