Süddeutsche Zeitung

Rechte unterwandern Diskussionsrunde:Großer Auftritt für die NPD

Eigentlich wollten die Freien Wähler bei einer Diskussionsrunde in Straubing nur über die Finanzkrise sprechen. Doch dann nutzen hochrangige NPD-Mitglieder die Plattform für ihre Thesen - und niemand merkt etwas, nicht einmal der Passauer Polizeipräsident. Im Netz loben die Rechten nun die "vorbildliche" Gastfreundschaft.

Max Hägler

Ein "fruchtbarer Abend" sei das gewesen, schreibt der NPD-Verband Neumarkt auf seiner Internetseite. Es habe sich gezeigt, dass sich viele "ordentliche Bürger" inzwischen ihre eigenen Gedanken über Politiker machten. Der stellvertretende Landesvorsitzende Sascha Roßmüller habe zu den Vorteilen der D-Mark sprechen können. Ein anderer Parteifreund habe die Wählbarkeit der NPD thematisiert. Und dann diese Gastfreundschaft, die "vorbildlich" gewesen sei: Niemand habe versucht, sie, also die Rechtsextremen, auszuschließen.

Ende Oktober hatten die Freien Wähler in ein Straubinger Hotel zu einer Diskussion über die Finanzkrise eingeladen. Der Wirtschaftswissenschaftler und Eurokritiker Wilhelm Hankel referierte - und keiner schien zu bemerken, dass die NPD mitdiskutierte. Die Landtagsabgeordnete Jutta Widmann, Moderatorin des Abends, sagt nun, im Nachhinein: "Ich distanziere mich." Sie habe diese Leute aber nicht gekannt, die auch nicht als Parteimitglieder aufgetreten seien.

Mit dabei unter den 150 Zuhörern war auch Josef Rückl, Präsident des Polizeipräsidiums Niederbayern. Ihm sei nichts aufgefallen, er kenne diese Leute nicht, lässt er ausrichten. Bewerten wolle er das nicht, schließlich sei er nur Gast gewesen bei dieser Veranstaltung. Er habe sich tatsächlich nicht namentlich vorgestellt bei seinem Redebeitrag, sagt Roßmüller. Was daran liege, dass viele politisch aktive Menschen ihn, der bei Straubing wohnt, sowieso kennen würden und von den anderen habe er spüren wollen, wie sie auf seine Fragen reagieren.

Das mit der Gastfreundschaft, das hält Roßmüller für übertrieben. "Ich kenne keinen anderen Umgang mit mir hier, das ist Normalität." So gesehen war es doch eher ein furchtbarer Abend.

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Quelle:
SZ vom 25.11.2011/tob
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