Süddeutsche Zeitung

Reaktionen auf Paulis Ehe-Modell:CSU-Granden sprechen von "Hirngespinsten"

Die Forderung der Fürther Landrätin und Kandidatin für den CSU-Vorsitz nach einer Befristung der Ehe auf sieben Jahren wird von führenden CSU-Politikern vehement abgelehnt. Auch die Katholische Kirche nahm zu Gabriele Paulis vorstoß Stellung.

Die katholische Kirche in Bayern hat vor einem "Zerreden" der Institution Ehe gewarnt. Dazu sei die Ehe "eine viel zu wichtige und zu kostbare Einrichtung", sagte Sprecher Winfried Röhmel vom Erzbistum München-Freising zur Forderung der CSU-Politikerin Gabriele Pauli nach Einführung von Ehen auf Zeit.

"Ein Eheabschluss auf Zeit ist ein Widerspruch in sich, weil niemand eine Ehe eingeht, um sich eines Tages wieder zu trennen", sagte Röhmel.

Natürlich dürfe niemand diejenigen verurteilen, denen aufgrund persönlicher Lebensumstände eine dauerhafte Ehe nicht geglückt sei. Das gehe in der Regel ja auch mit großen Verwundungen einher und sei, besonders wenn Kinder vorhanden seien, eine Leidensgeschichte. Künftig wolle man nichts mehr zu der Causa sagen, um Paulis Vorschlag "nicht noch mehr Publicity" zu verschaffen, teilte das Bistum sueddeutsche.de mit.

Auch in Paulis Partei, der CSU, scheint ihr Vorstoß zumindest bei den Granden auf wenig Freude zu stoßen. "Das ist aus meiner Sicht eine absurde Forderung, die für die CSU völlig indiskutabel ist", sagte CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann auf der Partei-Klausurtagung im Kloster Banz. Die CSU halte am hohen Wert der Ehe fest.

Dass Ehen auch mal zerbrechen könnten, dass Partnerschaften auseinander gingen, das gehöre zum Lebensalltag der Menschen, sagte Herrmann. Eine Ehe sollte man jedoch nicht vonseiten des Staates oder der Politik regeln. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer, kommentierte Paulis Forderung mit den Worten: "Jedes Hirn hat seine Gespinste".

Pauli hatte bei der Vorstellung ihrer programmatischen Schwerpunkte am Mittwoch in München gefordert, nach sieben Jahren solle eine Ehe auslaufen, wenn sich die beiden Partner nicht "aktiv" für eine Verlängerung aussprechen. Sie betonte, eine Ehe sei nicht dazu da, Sicherheit zu bieten. Vielmehr gehe es dabei darum, die Liebe zweier Menschen zu dokumentieren.

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