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Reaktionen auf Papst-Entscheidung:"Chance zum Neuanfang"

Benedikt XVI. hat den Rücktritt von Walter Mixa angenommen. In der katholischen Kirche hoffen nun viele auf einen Neuanfang. Und wieder spielt der Zölibat eine Rolle.

Papst Benedikt XVI. hatte am Samstag das Rücktrittsgesuch vom 21. April angenommen und den Augsburger Bischof Walter Mixa zugleich von seinem Amt als Militärbischof entbunden. Das war zügig. Vatikanische Mühlen mahlen sonst langsam, und so mancher Bischof muss monatelang darauf warten, ob der Papst sein Rücktrittsgesuch nun annimmt oder nicht.

Bistum Augsburg, dpa

Bischöfliches Ordinariat Augsburg: Die Suche nach einem Nachfolger für Walter Mixa kann sich hinziehen.

(Foto: Foto: dpa)

Im Fall des Walter Mixa dauerte es knapp drei Wochen - der Papst aus Bayern hat dem Bischof aus Schwaben einen "schwerwiegenden Grund" für seinen Amtsverzicht bescheinigt und damit einen schnellen Schlussstrich zu ziehen versucht.

Sicherlich war die zuvor so rasch eingefädelte Privataudienz des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, im Vatikan hilfreich und beschleunigend. Zumal Benedikt von den neuen Vorwürfen gegen Mixa gewusst haben soll.

Erzbischof Zollitsch bedankte sich heute auch bei Papst Benedikt XVI. für die rasche Annahme des Rücktrittsgesuchs von Bischof Mixa. "Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit", sagte er. Sie gebe allen Beteiligten die "Chance zum Neuanfang".

"Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet", sagte Zollitsch. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen.

Zollitsch dankte aber auch Mixa "für die Impulse, die er als Priester und Bischof gegeben hat". Er wünsche ihm für die Zukunft "Gottes stärkende Nähe und Hilfe".

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, reagierte erleichtert über die Annahme des Rücktrittsgesuchs. Damit werde eine Zeit der Unsicherheit im Bistum Augsburg beendet, sagte Marx laut Mitteilung. "Der Generalvikar und das Domkapitel haben in großer Fürsorge, mit Besonnenheit, Klarheit und der notwendigen Entschlossenheit gehandelt und die schwierige Lage im Bistum Augsburg bewältigt. Dafür gebührt ihnen große Anerkennung."

Dem entlassenen Bischof Mixa wünsche er "die Erfahrung von Gottes Nähe und die Kraft für einen Neuanfang", erklärte Marx.

Der Augsburger Generalvikar Karlheinz Knebel richtete sich an die Gläubigen: "Ich bitte die Gläubigen, den Klerus und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit die Einheit der Kirche zu wahren", sagte er bei einer Pressekonferenz in Augsburg. "Wir sind an einem Neuanfang, den wir gemeinsam versuchen müssen". Das Bistum Augsburg will nach dem Rücktritt von Bischof Walter Mixa einen "Neuanfang".

Der Vorsitzende des Augsburger Diözesanrates, Helmut Mangold, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der "Fall Mixa" sei jetzt zu einem logischen Abschluss gekommen. Nun gelte es, einen Neuanfang im Bistum zu organisieren. Dazu gehöre die umfassende Aufklärung aller Vorwürfe gegen Mixa. "Das darf nicht so stehen bleiben, alles muss ganz klar auf den Tisch gelegt werden", sagte Mangold.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert indes eine Diskussion über das Ende des Priester-Zölibats. "Ich wäre dafür, dass man darüber nachdenkt", sagt Schick dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Nur Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare sollten sich zur Ehelosigkeit verpflichten.

"Angst vor der bösen Welt"

Vor dem Hintergrund der Missbrauchsskandale in der Kirche forderte Schick ein Umdenken. Die Kirche müsse insgesamt offener werden. Dazu gehöre auch eine größere Mitwirkung von Laien in Entscheidungsgremien sowie mehr Verantwortung für die Frauen in der Kirche.

Schick rät besonders seinen konservativen Amtsbrüdern zum Kurswechsel. "Es hat in der Kirche auch Rückschritte gegeben. Es gab Verfestigungen und Verkrustungen, Angst vor der bösen Welt", sagt er. Konservativen und Liberalen in der Kirche sei es "in den letzten Jahren nicht gelungen, gut im Dialog zu sein. Den Dialog müssen wir wiederaufnehmen".

Würzburgs Bischof Hofmann sagte, es sei "eine schmerzhafte Angelegenheit, einen Mitbruder auf diese Weise zu verlieren". Er bedauere es, dass mit Mixa ein Mitglied aus der bayerischen Bischofskonferenz ausscheide, "das viele gute Impulse" eingebracht habe. Er habe allerdings Respekt für Mixas Entscheidung und verstehe auch den Papst, der das Rücktrittsgesuch angenommen habe.

Die Krise, in die die Kirche hineingeraten sei, müsse in aller Offenheit gelöst werden, forderte Hofmann. Von den staatlichen Ermittlungsbehörden erhoffe er sich eine Klärung der Anschuldigungen gegen Mixa. Für den Bischof erbitte er "in dieser schwierigen Lebenslage Gottes Beistand".

Die Kirchenbewegung "Wir sind Kirche" nahm die Entscheidung des Vatikans ebenfalls mit Erleichterung zur Kenntnis. Um den entstandenen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche nicht noch zu vergrößern, müssten alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufgeklärt werden.

Nach dem päpstlich akzeptierten Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa wird das Bistum vorläufig von Weihbischof Josef Grünwald geleitet. Das Domkapitel der Diözese Augsburg wählte Grünwald noch am Samstagnachmittag zum sogenannten Diözesan-Administrator, wie das Ordinariat mitteilte. Grünwald wird bis zu einer Neubesetzung des Bischofsstuhls in Augsburg die Diözese leiten. Er hat den bisherigen Generalvikar der Diözese, Domkapitular Karlheinz Knebel, zum seinem Vertreter bestellt.

Bischof Walter Mixa

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