Reaktionen auf McKinsey-Analyse:"Hat ja auch keiner gefordert, die Studie"

  • Bayern sei nur mittelmäßig auf die Zukunft vorbereitet, meint eine Studie von McKinsey.
  • Diese Ergebnisse haben nun im Landtag für heftige Diskussionen gesorgt.
  • Die Opposition fühlt sich durch die Ergebnisse in ihrer Kritik bestätigt, die CSU-Mehrheit rechnet dagegen mit der Opposition und McKinsey ab.

Von Frank Müller

Die aufsehenerregende Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat am Dienstag zu einem heftigen Schlagabtausch im Landtag geführt - ein weiteres Mal mit ungewöhnlichen Fronten: Die Oppositionsvertreter fühlten sich durch McKinseys Warnungen vor mangelnder Zukunftsfähigkeit in ihrer Kritik an der Staatsregierung bestätigt. Die CSU-Mehrheit dagegen rechnete mit Opposition und McKinsey gleichermaßen ab.

Die umfassende Studie, die McKinsey vor Ostern aus eigenem Antrieb vorgelegt hatte, war zu dem Schluss gekommen, dass Bayern in der Gegenwart zwar glänzend dasteht. Gleichzeitig aber bei für die Zukunft wichtigen Faktoren bestenfalls mittelmäßig abschneidet. Zu solchen Kriterien zählt McKinsey weniger die klassischen Wirtschaftszahlen, sondern eher den Umgang mit Migranten, die Durchlässigkeit des Bildungssystems oder auch Internetausbau und Zustand der Gründerszene. Diese Felder seien bedeutsam für die Zukunft, Bayern gebe aber im nationalen und internationalen Vergleich kein besonders gutes Bild ab, so das Fazit.

Die CSU bot gleich vier Redner auf, um mit dieser Analyse abzurechnen. Sie ist dabei selbst in einer zwiespältigen Situation. Während Ministerpräsident Horst Seehofer durch Gesten und Bewertungen am Rande der Plenarsitzung aus seiner Abneigung gegen McKinsey und ihre Studie keinen Hehl machte, begann die von Seehofer selbst eingesetzte neue Grundsatzkommission unter ihrem neuen Chef Markus Blume schon vor Monaten damit, mit genau diesem Zahlenmaterial zu arbeiten. Blume trat auch im Plenum auf und bemühte sich um Haltung bei diesem Spagat: Der Gedanke an Zukunftspolitik sei der CSU genetisch eingepflanzt.

"Verhindern, Verweigern und Veggie Day"

Am heftigsten provozierte CSU-Wirtschaftssprecher Erwin Huber die Opposition und vor allem die Grünen, die die aktuelle Stunde beantragt hatten. Alleine dass die Grünen sich so auf wirtschaftliches Gebiet begäben, sei Übermut, sagte Huber. Die Grünen stünden nämlich für "Verhindern, Verweigern und Veggie Day". Er habe die Studie ausführlich gelesen, sagte Huber. "Da steht nirgendwo, dass wir für die Zukunftsfähigkeit Bayerns einen Regierungswechsel brauchen." Huber stellte zum einen Teilergebnisse in Frage: "Man darf ja alles schreiben - hat ja auch keiner gefordert, die Studie." Er bezog sich an anderen Stellen aber auch ausdrücklich auf sie. McKinsey hatte kritisch angemerkt, dass Großprojekte wie Olympia oder die dritte Startbahn am Münchner Flughafen kaum noch umsetzbar seien. Genau das liege maßgeblich an den Grünen, sagte Huber. Wütende Proteste bei den Grünen löste er aus, als er ihnen die Sorge um die Heimat absprach: "Heimat und Grüne, das ist ja wie Feuer und Wasser."

Huber habe eine "plumpe Parteitagsrede" gehalten, konterte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. "Da ist sie, die Arroganz der Macht." Es sei bemerkenswert, dass ausgerechnet die wirtschaftsfreundliche Unternehmensberatung soziale Aspekte betone. Die Studie zeige auf, dass es nicht reiche, sich in wirtschaftlichen Kennziffern zu sonnen, sagte Rinderspacher. "Wir verstehen diese Studie deshalb auch als politischen Auftrag." Seehofer habe dagegen mit Sprüchen wie "Wer betrügt, der fliegt" oder dem Kampf "bis zur letzten Patrone" gegen Einwanderung in die Sozialsystem dafür gesorgt, dass Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgehetzt würden.

Für Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause ist Grundaussage der Studie: Schwarze Zahlen in der Wirtschaft seien nur noch durch grüne Ideen zu erreichen. "Wir sehen unsere Politik aus einer Warte bestätigt, von der wir das nicht unbedingt erwartet hätten." Der CSU falle dazu wenig mehr ein als "Einbunkern und Rumkritteln", sagte sie. "Sie regieren mit der für sie typischen Mischung aus Selbstgefälligkeit, Ideenlosigkeit und Mutlosigkeit."

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger kam zu dem Fazit: "Es ist bezeichnend, dass jeder das raus liest, was er hören will."

Aiwanger rief dazu auf, sich parteiübergreifend mit dem Papier auseinanderzusetzen und meinte, das Parlament solle weniger auf McKinsey achten, "sondern auf den Sachverstand, der hier im Haus sitzt". Dafür bekam er dann sogar Applaus von Seehofer.

© SZ vom 15.04.2015/ahem
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB