Reaktionen auf Lockdown-Verlängerung:Handelsverband ruft zu Klagen auf

Mitglieder sollen sich gegen die Schließung von Läden wehren

Von Maximilian Gerl

Der Handelsverband Bayern will seinen Mitgliedern raten, gegen die Schließung ihrer Läden zu klagen. Hintergrund ist die Entscheidung von Bund und Ländern vom Mittwoch, dass Friseure von März an wieder unter Hygieneauflagen öffnen dürfen - während etwa Floristen oder Buchhändler weiter für den Kundenverkehr geschlossen bleiben. Diese "Ungleichbehandlung" werde man gerichtlich prüfen lassen, kündigte der Handelsverband am Donnerstag an. Angesichts der Verlängerung des Lockdowns bis in den März hinein fühle man sich "über den Tischgezogen", sagte Sprecher Bernd Ohlmann. Monatelang habe die Politik eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 "wie eine Monstranz" vor sich hergetragen. Doch plötzlich stünden Lockerungen erst ab einem Wert von 35 zur Debatte - während es gleichzeitig bei der Bereitstellung von ausreichend Impfstoff hapere. Die Stimmung in der Branche ist ohnehin angespannt, nach Verbandsangaben fürchten in Bayern rund 8000 Handelsbetriebe mit insgesamt 25 000 Beschäftigten um ihre wirtschaftliche Existenz. Ebenfalls Kritik an den neuen Corona-Beschlüssen äußerte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags: Immer noch sei kein langfristiger Plan erkennbar, wann die Wirtschaft wieder hochgefahren werden könne. "Stattdessen hangelt man sich weiter von einer Lockdown-Verlängerung zur nächsten." Eberhard Sasse, Präsident der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, sprach dagegen angesichts der "angekündigten Öffnungsperspektiven ab dem 7. März" von "Licht am Ende des Tunnels". Viele Wirtschaftsvertreter und Unternehmer hoffen nun, dass die Auszahlung der Überbrückungshilfe III schneller vonstatten geht. Frühere Corona-Hilfen ließen, von Abschlagszahlungen abgesehen, unter anderem wegen Software-Problemen lange auf sich warten.

Über Perspektiven freuen sich Bayerns Friseure. Die Öffnung von Salons "begrüßen wir", sagte Landesinnungsmeister Christian Kaiser. Die Verluste der vergangenen Monate werde man aber nicht mehr hereinholen, obwohl es in den ersten Märzwochen sicher mehr zu tun geben werde. Auch für Fahrschulen gibt es zumindest eine kleinere Erleichterung: Sie dürfen von 22. Februar an wieder Fahrprüfungen durchführen. Zuletzt hatten auch Logistikunternehmen geklagt, dass angehende Fahrer ihren Lkw-Führerschein nicht ablegen konnten.

© SZ vom 12.02.2021
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