Radikaler Islam Bayern kämpft gegen Salafismus

Im Kampf gegen den Salafismus setzt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nicht nur auf hartes Durchgreifen der Sicherheitsbehörden, sondern auch auf zivilgesellschaftliche Träger wie etwa Violence Prevention Network (VPN). Seit acht Monaten arbeitet das Landeskriminalamt (LKA) mit dem Verein zusammen, der vor allem darauf setzt, mit Extremisten zu reden. Er berät Angehörige von Kindern, die auf dem Weg in die Radikalisierung sind, und versucht, die meist jungen Anhänger eines extremen Islamismus zu mäßigen. Am Freitag zog Herrmann eine erste Bilanz. Die Zusammenarbeit sei gut angelaufen, sagte er, das Angebot werde vermehrt in Anspruch genommen. Seit es die Beratungsstelle gibt, sind die gemeldeten Deradikalisierungsfälle um 50 Prozent gestiegen. Von 106 meist jungen Personen, die an den Salafismus glauben, konnten drei vollkommen deradikalisiert werden. Auf den ersten Blick sei das vielleicht nicht viel, sagt LKA-Vizepräsidentin Petra Sandles. Es seien jedoch drei Menschen, die jetzt so stabil sind, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgehe. Das könne als Erfolg gewertet werden. Außerdem konnte bei mehr als 20 Personen verhindert werden, dass die Radikalisierung weiter fortschreite. Fünf junge Menschen, die kurz davor waren, als Kämpfer nach Syrien oder in andere Gebiete zu reisen, wurden von ihrem Vorhaben abgebracht, sagte Thomas Mücke von VPN. Es brauche eine Begleitung zwischen ein und zwei Jahren, bevor die Betroffenen die Ideologie aus ihren Köpfen hätten. Die wichtigsten Partner für VPN seien die Eltern der Jugendlichen. Viele wüssten aber gar nichts von dem Beratungsangebot, sagte Mücke und verwies auf die Hotline (089/416 11 77 11). "Wir wollen keinen Menschen, der verzweifelt ist, alleine lassen", sagte er. Im November wird ihr Team von zwei Mitarbeitern um einen weiteren verstärkt. Der Freistaat finanziere die Beratungsstelle durchaus ausreichend. Das Problem sei vielmehr, dass es sehr schwer sei, gut ausgebildete und geeignete Berater zu finden.