Putzunternehmer verteidigt Doktortitel "Es ist kein Geld geflossen!"

Als "grenzenlosen Stuss" bewertete ein Münchner Historiker das Werk. Nun will der Regensburger Putzunternehmer Götz beweisen, dass er seine Doktorarbeit wirklich in Spanien öffentlich verteidigt hat. Doch viele Fragen bleiben offen.

Von Martina Scherf

Der Regensburger Putzunternehmer Karlheinz Götz, der wegen seiner Doktorarbeit ins Gerede kam, hat sich verteidigt. In der Mittelbayerischen Zeitung erklärte er, er könne Beweise vorlegen, dass er seine Arbeit tatsächlich an der Universität Oviedo öffentlich verteidigt habe. Alles sei mit rechten Dingen zugegangen.

Die Doktorarbeit, die der Unternehmer ("Blitz-Blank Götz") 2005 in Spanien eingereicht hatte, war in Verruf geraten, weil sie nach Einschätzung von Experten nicht akademischen Standards entspricht. Fehlende Fußnoten, abgeschriebene Textpassagen ohne genaue Quellenangabe, kein Bezug auf relevante Literatur - als "grenzenlosen Stuss" bewertete Hans-Michael Körner, Historiker der Universität München, das Werk mit dem Titel "Die Entwicklung des Schulwesens in der Oberpfalz und in der Freien Reichsstadt Regensburg bis 1810 sowie in Salzburg bis 1816". Auch in spanischen Zeitungen schlugen die Wellen hoch, waren doch in jüngster Zeit wiederholt Fälle bekannt geworden, in denen spanische Universitäten Titel "verkauft" hatten.

Doktorarbeit "Grenzenloser Stuss"
Fragwürdige Doktorarbeit

"Grenzenloser Stuss"

Vom Fensterputzer zum Doktor: Der Regensburger Putzunternehmer Karlheinz Götz hat sein Lebenswerk mit einer Doktorarbeit in Spanien gekrönt. Deutsche Professoren sind entsetzt über die Arbeit und nennen das Vorgehen des Autors "schamlos" und "skandalös".  Von Martina Scherf und Wolfgang Wittl

Götz ließ nun über seinen Anwalt, den ehemaligen Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht Ralf Seidl, verlauten: Institutionelle Verflechtungen seiner Person mit der Universität Oviedo gebe es nicht. Er habe als Beirat einer Wirtschaftsgesellschaft in Madrid, für die er in den 70er und 80er Jahren tätig war, zwei Professoren aus Oviedo getroffen. Der Vorschlag, dort zu promovieren, sei von der Universität gekommen. "Es ist kein Geld geflossen!", betonte Götz, der bis März in Kanada weilt. Die Mittelbayerische Zeitung zitiert auch den Pressesprecher der Universität Oviedo mit der Aussage: "Todo correcto", alles sei in Ordnung gewesen.

Auf Nachfrage der SZ erklärte der Rektor der Universität, Vicente Gotor, der Fall werde untersucht. Der Vorsitzende von Götz' Prüfungskommission will sich nicht äußern. Aber das Bibliotheksverzeichnis wurde inzwischen ergänzt: War die Arbeit dort bisher nur auf Spanisch verzeichnet, so ist seit wenigen Tagen auch eine deutsche Version gelistet. So bleiben Fragen offen - etwa, warum Götz über das Regensburger Schulsystem ausgerechnet in Oviedo promovierte. Warum seine Doktormutter Didaktik der Geographie lehrte. Warum drei der fünf Mitglieder der Prüfungskommission längst emeritiert waren. Und warum keiner der Herren Kenntnisse des bayerischen Schulwesens nachweisen konnte.