„Was man alles machen muss, wenn man sichtbar ist“, jammerte der Pumuckl bereits vor mehr als 40 Jahren, als er das erste Mal im BR zu sehen war. Ob er sich mittlerweile an die Sichtbarkeit gewöhnt hat? Jedenfalls treibt er seit seinem Radiodebüt 1962 multimedial allerhand Schabernack. 2023 feierte er auf RTL+ sein Serien-Comeback. Am 30. Oktober 2025 kehrt der Pumuckl zurück auf die Kinoleinwand.
Nun beginnt für den jüngst zum schönsten Münchner gekürten Kobold ein neues Abenteuer: Pumuckl zieht ins Museum – genauer gesagt ins Landshut- und Kasimir-Museum. Ab sofort (bis zum 28. September 2026) können Besucherinnen und Besucher in die Entstehungsgeschichte des Kobolds eintauchen. Darüber hinaus lässt sich, ganz nach Pumuckl-Manier, an zahlreichen interaktiven Stationen allerhand Unfug treiben.

Uraufführung beim Filmfest München:Der Pumuckl feiert Weltpremiere – so sind die neuen Geschichten
„Da machst was mit!“ Beim Filmfest München sind die heiß ersehnten neuen Folgen der Pumuckl-Serie zu sehen. Wie sind sie gelungen, wer spielt mit und: Wird es auch eine dritte Staffel geben?
Ein kleiner Junge drückt immer wieder auf einen roten Knopf und kichert. Die Werkbank auf dem Bildschirm beginnt zu wackeln. „Jetzt reicht’s!“, grummelt der digitale Meister Eder.
Währenddessen haut ein Mädchen im Nebenzimmer in die Tasten einer Schreibmaschine: „Reime sind Schweine und kommen von alleine …“. Ganz nach der Pumucklregel „Was sich reimt, ist gut“ verfasst sie auf der Schreibmaschine ihr eigenes Gedicht. „… und will man sie machen, fangen sie anzulachen“, zufrieden pinnt sie ihr Werk an eine Pinnwand zu den anderen Kobold-Weisheiten.

Dann geht’s zur nächsten Station. Als das Mädchen an der Werkbank vorbeirennt, bleibt es abrupt stehen. Mit großen Augen fragt sie: „Mama, warum bewegt sich die Schiffsschaukel von alleine?“ „Das ist der Pumuckl“, bekommt sie als Antwort. „Das kann der?“, fragt sie und nickt anerkennend. Dann geht es in den nächsten liebevoll gestalteten Raum.
Wer weiß wohl besser, wie man das typische Pumuckl-Flair erzeugt, als die Set-Designerin der neuen Pumuckl-Serie selbst? In Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Landshut hat Isabel Eichinger allerlei Krimskrams ins Kasimir-Museum gebracht – alte Werkbänke, jede Menge Werkzeug und sogar ein menschengroßes Pumuckl-Bett. Somit kann man vollends in die Welt des Rotschopfs eintauchen. Zu dem urigen Ambiente trägt auch das Museumsgebäude selbst bei. Die abgetragenen Dielen knarzen bei jedem Schritt. Die Wände sind schief. Also ein ideales Zuhause für den Pumuckl. Das sei laut der Kuratorin Verena Linseis-Meier mit ein Grund, warum es den kultigen Kobold nach Landshut verschlagen habe.

Der Hauptgrund sei aber ein anderer: die jahrelange Freundschaft zwischen der ersten Illustratorin des Pumuckls, Barbara von Johnson, und dem Direktor der Museen der Stadt Landshut, Daniel Schreiber. Schon länger hegten die beiden den gemeinsamen Wunsch einer großen Ausstellung.
Nun ist es so weit, der Pumuckl macht sich in Landshut breit. In einem eigens produzierten Intro tanzt der Kobold über die Dächer von Landshut, im Hintergrund dröhnt „Hurra, hurra der Pumuckl ist da!“. Dieser Spielerei wurde ein ganzer Raum gewidmet. Sie schafft einen nahtlosen Übergang zwischen dem museumstypischen Informationsteil im Landshutmuseum und der interaktiven Ausstellung im Kindermuseum Kasimir.

Dem Pumuckl selbst wäre der Ausstellungsteil im Landshutmuseum wohl zu wortlastig. Für alle Fans und die, die es noch werden wollen, ist er dafür umso spannender. Dort wird die Entstehungsgeschichte anhand von Filmrequisiten erzählt.
Darunter ein Pumuckl-Bett aus der ersten Serie „Meister Eder und sein Pumuckl“, mit Gustl Bayrhammer in der Rolle des grantelnden Schreiners. Sowie einige Folien, auf die der Pumuckl in Handarbeit illustriert wurde. Manche Anekdoten überraschen vermutlich selbst eingefleischte Pumucklfans. Zum Beispiel, was der Pumuckl mit Brasilien zu tun hat.

Besonders viel Raum wurde darüber hinaus den wichtigsten Künstlerinnen und Künstlern rund um den Pumuckl eingeräumt. Den Anfang macht Ellis Kaut, die Anfang der Sechzigerjahre als Autorin den Pumuckl schuf – zunächst für eine Hörspielreihe des BR.
Wichtig war dem Museumsteam dabei auch zu zeigen, dass der Kobold nur einen Teil ihres künstlerischen Schaffens ausmacht. Kaut war eine begeisterte Bildhauerin, Fotografin und Malerin. Ein Teil ihrer Werke ist nun auch in der Ausstellung zu sehen – ebenso die Arbeiten der beiden Illustratoren Barbara von Johnson und Brian Bagnall.

Barbara von Johnson brachte den Kobold zum ersten Mal auf Papier. Diese frühen Entwürfe, die bis auf die wirren Haare noch wenig mit dem Pumuckl zu tun haben, den wir heute kennen, sind ebenfalls ausgestellt. „Das soll der Pumuckl sein“, merkt ein kleiner Junge an und deutet auf einen besonders wild gezeichneten Entwurf Johnsons. Währenddessen steht eine Mutter mit Kind im Arm vor den Covern der alten Hörbücher und schwelgt in Erinnerungen: „Der Pumuckl ist einfach meine Kindheit.“ Das Kind zappelt dabei ungeduldig in ihren Armen und will wieder zurück zu dem „lustigen Teil der Ausstellung“.
Am Dienstagvormittag, drei Tage nach der Eröffnung, tummeln sich zahlreiche Familien im Museum. Dabei knarzen die Dielenböden unter ihren Schritten und mischen sich mit Kinderlachen. In Landshut kommen sowohl Nostalgiker als auch eine neue Generation kleiner Fans auf ihre Kosten. Dem Chaos liebenden Kobold dürfte das genauso gut gefallen wie der Museumsleitung. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Pünktlich wird Radau gemacht von morgens sieben bis halb acht“ – auch wenn der Reim nicht ganz mit den Öffnungszeiten des Museums übereinstimmt, beschreibt er die Stimmung sehr treffend.
Pumuckl-Ausstellung, Landshutmuseum und Kasimirmuseum, Alter Franziskanerplatz 483, Landshut, bis 28. September 2026, Dienstag bis Sonntag 10–17 Uhr, www.kasimirmuseum.de

