Psychiater im Fall Mollath Querulatorische Züge

2007 ist Mollath in der Psychiatrie in Straubing untergebracht. Für die Frage, ob er einen Betreuer brauche, wird als Gutachter Hans Simmerl beauftragt. Er ist Leitender Arzt in der Bezirksklinik Niederbayern, hat eigenen Angaben zufolge "mehr als 5000 Wahnkranke" untersucht. Er hört davon, dass Mollath sich nicht untersuchen lassen wolle. So etwas, sagt Simmerl im SZ-Gespräch, habe ihn noch nie davon abgehalten, es dennoch zu versuchen. Simmerl fährt nach Straubing, stellt sich vor. Und Mollath lässt sich untersuchen.

Simmerl kommt zum Befund: Mollath sei bewusstseinsklar, allseits orientiert und psychomotorisch auffällig ruhig, lasse "kritische Zwischenfragen problemlos zu". Er sei in der Lage, Thesen kritisch zu hinterfragen und einzuräumen, dass er sich in seinen Überzeugungen "etwas verrannt" haben könnte. Mit Gewissheit bleibe er aber bei seiner Darstellung der Schwarzgeldkonten seiner Ehefrau in der Schweiz, "die er als Ausgangspunkt sämtlicher folgender Ereignisse" sehe.

Man könne feststellen, dass die Schilderungen Mollaths "nicht bizarr, völlig unrealistisch" oder "kulturfremd" seien. Die Kriterien für Wahnideen seien mit Sicherheit nicht erfüllt, schreibt Gutachter Simmerl. Auch ansonsten habe sich bei der Untersuchung kein Hinweis für eine psychotische Erkrankung ergeben - eher Hinweise für querulatorische Züge und eine "rechthaberische Grundhaltung". Mollath sei "als geschäftsfähig anzusehen".