Psalm-o-Beats Rap aus dem Evangelium

Mit expliziten jugendgefährdenden Inhalten ist bei den Rap-Texten aus der Bibel nicht zu rechnen.

(Foto: dpa)
  • Papst Benedikt XVI. wünschte sich seinerzeit die Evangelisierung des "digitalen Kontinents".
  • Seit drei Monaten schippert das Bistum Augsburg nun schon mit einer neuen Webseite auf allen Kanälen dieses Erdteils und verkündet das Wort Gottes.
  • Mit den Psalm-o-Beats und dem Evangeliums-Rap trifft die Diözese den Geschmack junger Menschen.
Von Markus Mayr

Papst Benedikt XVI. nannte seinerzeit das Internet den "digitalen Kontinent". An dessen Evangelisierung, so sprach er, mögen alle Gläubigen mitwirken. Pfarrer Ulrich Lindl aus dem Bistum Augsburg ist diesem Aufruf gefolgt. "Da wollten wir dabei sein", sagt Lindl. Suchende müssten auch im Internet Gott und den Austausch mit Gläubigen finden können. Und so schippert seine Diözese seit Juli dieses Jahres mit der Webseite credo-online.de auf allen Kanälen des digitalen Erdteils: wie auf Twitter so auch auf Facebook. Nicht nur mit Texten - auf Twitter bewirbt die Diözese die Erlebnisse ihrer Bloggerinnen und Blogger -, sondern auch musikalisch. Mit Psalm-o-Beats und Lukas-Rap.

Zu Elektroklängen singen Künstler Psalmen aus der Bibel. Der über die Gemeinschaft der Gläubigen hinaus bekannte Rapper To Flyer, dessen Songtexte absolut jugendfrei sind, rappt Ausschnitte aus dem Lukas-Evangelium. Er habe seine Gedanken dazu einfach in eine moderne Form gebracht, so der 21-Jährige. Er wünscht sich, dass junge Leute so wieder Zugang zum Glauben finden, da klassisch-kirchliche Kunst sie nicht mehr anzusprechen scheine.

Tatsächlich kommt das Portal Credo erfrischend anders daher. Der herkömmliche Auftritt des Bistums wirkt dagegen wie ein digital gewordener Pfarrbrief, der in Papierform ziemlich schnell in den Altpapiertonnen seiner Empfänger landete. Credo aber haben Webdesign-Profis konzipiert, die ein Gefühl dafür haben, wie die katholische Kirche in der Zeit des großen Mitgliederschwunds gerade junge Menschen wieder begeistern kann. Dabei spielt es Pfarrer Lindl zufolge keine Rolle, ob die Austrittskurve im Bistum bereits abflacht. "Es geht um den Einzelnen."

Die schiere Summe dieser Einzelnen spricht dabei für den Erfolg des Konzepts. Beinahe 9000 Menschen sahen sich in neun Tagen den Videoclip Credo Unplugged auf Facebook an. Eine Nutzerin feiert den Sänger Raphael Schadt in ihrem Kommentar wie einen Rockstar: "Rapha deine Stimme ist so cool!!", garniert mit einem Smiley mit Herzchen in den Augen. Sollte der ehemalige Papst noch immer auf dem digitalen Kontinent wandeln, er würde sich über diesen Beitrag freuen.

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