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Prozessbeginn in Augsburg:Mord mitten im Wohngebiet

Zahlreiche Zeugen mussten die tödliche Hatz mitansehen: Inmitten eines dicht besiedelten Wohngebietes in Augsburg soll ein 43-Jähriger einen Mann aus Eifersucht getötet haben. Nun hat der Prozess gegen ihn begonnen.

Stefan Mayr

Die meisten Mörder suchen sich für ihre Taten abgelegene Orte aus, an denen sie möglichst unbeobachtet sind, zudem suchen sie den Schutz der Dunkelheit. Thomas R. (Name geändert) waren solche Vorsichtsmaßnahmen völlig egal. Er lauerte seinem Opfer an einem Sommertag auf - und das inmitten eines dicht besiedelten Wohngebietes im Augsburger Stadtteil Lechhausen.

Mordprozess in Augsburg

"Das wollte ich nicht": In Augsburg hat der Mordprozess gegen einen 43-jährigen Angeklagten mit einem Geständnis begonnen.

(Foto: dpa)

Im August 2011 ging der 43-Jährige mit einem Küchenmesser auf einen Mann los. Er stach auf ihn ein und jagte ihn quer über den Innenhof einer Wohnanlage. Zu der Zeit saßen viele Menschen auf ihren Balkonen und genossen die Abendsonne - bis sie plötzlich die verzweifelten Schreie hörten und die tödliche Hatz mitansehen mussten.

Thomas R. holte sein Opfer ein und schnitt ihm dreimal die Kehle durch. Danach wischte er sein blutiges Messer an einem Busch ab, steckte es in den Hosenbund und fuhr in aller Ruhe zu seiner Wohnung. Dort nahm ihn die Polizei noch am selben Abend fest.

Am Donnerstag hat vor dem Landgericht Augsburg der Prozess gegen den 43-jährigen mutmaßlichen Täter mit einem Geständnis begonnen. "Ich bitte um Vergebung und Verzeihung, das wollte ich nicht", sagte der Angeklagte. Er habe die Kontrolle über sich verloren.

Anzeige wegen Stalkings - vergeblich

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, sein Opfer aus Eifersucht getötet zu haben. Thomas R. konnte es offenbar nicht ertragen, dass seine Freundin die Beziehung beendet hatte und einige Zeit später einen neuen Lebensgefährten gefunden hatte.

Die 54-jährige Frau und der mutmaßliche Mörder waren eineinhalb Jahre lang ein Paar. Die Augsburgerin beendete die Beziehung im Sommer 2010 - womit sich der Angeklagte nie abfinden konnte. Über mehrere Monate hinweg nahm er immer wieder Kontakt zu seiner Ex-Partnerin auf. Die Frau hatte bereits Anzeige wegen Stalkings erstattet - vergeblich.

Während sie auf Hilfe der Behörden wartete, geschah die Bluttat. Im August 2011 lauerte der Verschmähte seiner Ex-Partnerin und ihrem neuen Partner auf. Als das Pärchen von einer Radtour nach Hause kam, ging der Angeklagte sogleich mit einem 28 Zentimeter langen Messer auf den Nebenbuhler los. Dieser flüchtete über den Hof, wurde von dem Täter aber eingeholt und getötet.

Der Angeklagte ist derzeit im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren untergebracht. An den fünf Prozesstagen wird die Frage zu klären sein, ob der Angeklagte schuldfähig ist - und ob und wie man Stalking-Opfer vor ihren Peinigern schützen kann.

© SZ vom 03.05.2012/afis

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