Prozess Vorwurf der Vergewaltigung

Leiter eines Tierasyls soll Minderjährige missbraucht haben

Er galt als die Seele des Ansbacher Raubtierasyls und war jahrelang nicht nur dessen Vorsitzender, sondern auch dessen einziger hauptamtlicher Mitarbeiter. Seit einem Jahr aber muss die durch Spenden finanzierte Einrichtung, die sich unter anderem um verwaiste Tiger kümmert, im Ansbacher Ortsteil Wallersdorf ohne ihn auskommen. Seitdem sitzt der Vorsitzende in der Justizvollzugsanstalt Ansbach in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, eine minderjährige Mitarbeiterin mehrmals vergewaltigt zu haben, was der Angeklagte jedoch bestreitet. Am Mittwoch hat der Prozess am Landgericht Ansbach begonnen. Der 57-Jährige ließ die Anschuldigungen durch seine beiden Verteidiger "vollumfänglich" zurückweisen, weitere Angaben wollte er zunächst nicht machen.

Bis 5. Dezember wird die Strafkammer in insgesamt fünf Verhandlungen ausleuchten, was sich zwischen September 2014 und Juli 2016 im Raubtierasyl und der Wohnung des Mannes ereignet hat. Das mutmaßliche Opfer ist heute 19 Jahre alt und wurde am Mittwoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Weil sie unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, hätte ihre Anwältin ihr auch gerne erspart, in Anwesenheit des Angeklagten aussagen zu müssen, was das Gericht jedoch ablehnte. Die Verteidiger des Angeklagten hatten argumentiert, die junge Frau sei das "einzige Beweismittel" für die Anklage. Der Angeklagte müsse die Möglichkeit haben, ihre Aussage zu hören und darauf zu reagieren.

Die junge Frau hatte von September 2014 bis April 2016 im Raubtierasyl gearbeitet, zunächst als Praktikantin, später im Bundesfreiwilligendienst. In dieser Zeit, so legt es die Staatsanwaltschaft dar, soll der damalige Betriebsleiter zunächst ein freundschaftliches Verhältnis zu dem Mädchen aufgebaut haben. Ende Januar 2016, die Mitarbeiterin war damals 17 Jahre alt, soll er sich ihr erstmals gewaltsam sexuell genähert haben. Die Anklage geht von vier Vergewaltigungsfällen aus.