Prozess um entführten Steuerberater "Veräppelt und verarscht"

Ein halbes Jahr nach der Entführung eines Steuerberaters hat einer der angeklagten Rentner ein umfassendes Geständnis abgelegt. Den fünf Senioren drohen Haftstrafen von mindestens fünf Jahren.

Weil sie einen Finanzberater entführt und als Geisel genommen haben sollen, steht eine fünfköpfige Senioren-Gang seit Montag vor dem Landgericht Traunstein. Den Angeklagten im Alter zwischen 60 und 79 Jahren wird vorgeworfen, den 56-Jährigen im Juni 2009 in Speyer in Rheinland-Pfalz entführt und mehrere Tage in einem Einfamilienhaus im oberbayerischen Chiemgau festgehalten zu haben.

Der Angeklagte Roland K. (Mitte) mit seinen Verteidigern beim Prozessauftakt in Traunstein

(Foto: Foto: dpa)

Ein halbes Jahr nach der Entführung legte einer der angeklagten Rentner zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis ab. Der 74 Jahre alte Roland K. gab vor dem Landgericht an, von dem angeblichen Finanzexperten "veräppelt und verarscht" worden.

Die Staatsanwaltschaft legt Roland K., Wilhelm D., K.s Frau Sieglinde sowie dem Ehepaar Gerhard F. und Elisabeth F. zur Last, dass sie mit der gemeinschaftlichen Entführung Geld zurückfordern wollten, das sie beim Opfer A. angelegt und nicht wiedererhalten hatten.

Die beiden Paare hatten in den USA insgesamt 1,4 Millionen Dollar bei dem Steuerberater investiert. Der fünfte Angeklagte arbeitete vorübergehend für A. und war der Ansicht, dieser sei ihm noch Geld schuldig. Gerhard F. fehlte allerdings am Montag vor Gericht. Das Verfahren gegen ihn wurde aus gesundheitlichen Gründen vorläufig eingestellt.

Nach der Entführung sollen die Senioren ihr Opfer in einer aus Umzugskartons und Holz selbstgebauten Kiste in einen Kellerraum eines Hauses in Chieming gesperrt haben.

Bei der Entführung wurden dem Opfer auch zwei Rippen gebrochen. Erst als es dem Steuerberater gelang, in einer Faxnachricht an einen Bankangestellten eine verschlüsselte Botschaft unterzubringen, konnte er nach vier Tagen Geiselnahme von der Polizei befreit werden. Den Angeklagten drohen Haftstrafen von mindestens fünf Jahren.