Prozess in Regensburg Warum der Staatsanwalt Mollath für schuldig hält

Fall Mollath Staatsanwalt hält Mollath für schuldig
Plädoyers im Mollath-Prozess

Staatsanwalt hält Mollath für schuldig

Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass Gustl Mollath seine Exfrau misshandelt hat. Dennoch verlangt er einen Freispruch. Die Verteidigung wirft Petra M. Lügen vor - und fordert einen Freispruch "ohne Wenn und Aber". Nun muss das Gericht entscheiden.   Von Ingrid Fuchs, Regensburg, und Anna Fischhaber

Die Beweisaufnahme litt unter dem Umstand, dass die Hauptzeugin, Mollaths ehemalige Ehefrau Petra, die Aussage verweigerte. Oberstaatsanwalt Meindl kam trotzdem zu dem Ergebnis, dass die Indizien ausreichten, um Mollath für die angeklagten Taten schuldig zu sprechen. Er hatte viele gute Gründe dafür. Die Verletzungen, die Petra Mollath ihrer Darstellung nach von ihrem Ehemann beigebracht wurden, wurden zeitnah von einem Arzt attestiert. Sie waren zweifelsfrei vorhanden, egal ob der Arzt das Attest in eigenem Namen oder "i.V." für seine Mutter unterschrieb.

Dass die Verletzungen, wie von Mollath behauptet, bei einem Sprung seiner Frau aus dem fahrenden Auto entstanden sein sollen, ist nicht nachvollziehbar. Man kann schwerlich so aus dem Auto springen, dass man dabei eine Bisswunde und Würgemale am Hals davonträgt. Petra Mollath hat in zahlreichen Vernehmungen - bei der Polizei, dem Ermittlungsrichter, in drei Gerichtsverhandlungen - eine im Kern konstante Aussage geliefert.

"Damit will ich Sie jetzt gar nicht groß belasten"

Gustl Mollath dagegen hat es beharrlich vermieden, selbst Angaben zu dem Geschehen zu machen. Der lapidare Satz "Leider habe ich mich gewehrt" ist bis heute seine einzige inhaltliche Aussage zu diesem Anklagepunkt. Seine Antwort auf die Frage der Richterin, ob er nicht etwas zu dem Vorgang sagen wolle, wird lange im Gedächtnis bleiben: "Damit will ich Sie jetzt gar nicht groß belasten." Und auf die verblüffte Nachfrage: "Das tät' mich jetzt aber interessieren" sagt Mollath: "Das ist alles in den Akten enthalten. Damit muss es jetzt mal gut sein."

Zu den Reifenstechereien verlor Mollath keine Silbe - er sah das wohl als unter seiner Würde an. Seinem Verteidiger war er damit keine große Hilfe. Was blieb ihm übrig? Gerhard Strate stellte die Ex-Frau und deren Schwägerin, die zweite wichtige Belastungszeugin, als notorische Lügnerinnen dar; die Belege, die er dafür anführen konnte, blieben dürftig.

Ob das Gericht dem Staatsanwalt folgt und Mollath schuldig spricht, bleibt abzuwarten - es ist ausschließlich eine Frage der Beweiswürdigung. Dass Gustl Mollath freigesprochen werden muss, steht außer Frage; das Gesetz lässt im Wiederaufnahmeverfahren zu Gunsten des Angeklagten nichts anderes zu. Was er sich erhofft hat - einen Freispruch, der ihn ohne Wenn und Aber für unschuldig erklärt - kann es nach dem Ergebnis dieser Beweisaufnahme nicht geben.

Bilder vom Prozess

Mollath vor Gericht