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Prozess:Haft für Kartenfälscher

Bande ergaunerte 800 000 Euro mit manipulierten Automaten

Der Schaden war "schon sehr, sehr beträchtlich", wie der Vorsitzende Richter am Landgericht Kempten in der Urteilsbegründung noch einmal betonte. Etwa 800 000 Euro hat eine Bande von EC-Kartenfälschern ergaunert. Mit kleinen Kameras und Magnetkartenlesern manipulierten sie Automaten zahlreicher Banken im Allgäu und in der Umgebung Münchens, aber auch im Ausland, in Amsterdam, in der Schweiz und in London. Ein Helfer der Bande, der sich vor allem um die Technik der Geräte kümmerte, ist nun in Kempten zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden - wegen sogenannter Beihilfe zur gewerbs- und bandenmäßigen Fälschung von Zahlungskarten mit Garantiefunktion.

Skimming nennt sich die Methode, mit der die Mitglieder der Bande Kunden ausspähten, die an Bankautomaten Geld abheben wollten. Die Magnetkartenleser erfassten die Daten der EC-Karten, mit Hilfe der kleinen Kameras, die die Täter an den Automaten anbrachten, gelangten sie an die Geheimnummern. Später glichen sie die Uhrzeit ab, in der die Geheimnummern an den Automaten eingegeben wurden, und ordneten sie so einzelnen Karten zu. Dann stellten sie mit den Daten Kartendoubletten her, dafür nutzten sie unter anderem Geschenkkarten, die sie überspielten. In Buenos Aires oder Bogota hoben sie damit Geld ab: mal mehr als 100 000 Euro, mal 30 000 Euro. Der Angeklagte wartete und reparierte die Skimming-Geräte nach Überzeugung des Gerichts, beim Verfahren am Dienstag zeigte er sich geständig. Er saß in Großbritannien wegen eines anderen Betrugsdelikts bereits in Haft.

Für Kunden ist die Gefahr des Skimmings an Bankautomaten in Europa dank moderner Technik inzwischen beträchtlich gesunken. Deutsche Zahlungskarten werden grundsätzlich nur noch mit sogenannten EMV-Chips ausgestattet, wodurch der Datensatz verschlüsselt wird und nicht mehr ausgelesen werden kann. Allerdings gibt es in anderen Ländern, den USA, Indonesien oder auch in Indien zum Beispiel, immer noch leicht lesbare Karten. Die Betrugsmasche existiert also weiter, auch in den Filialen deutscher Banken: Die Betrüger sind vor allem in Touristenorten aktiv, um Bankkarten ohne Sicherheitschips auszulesen und dann die Konten zu plündern.

© SZ vom 10.07.2019

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