Prozess gegen Marcus von Anhalt Selbstdarsteller auf der Anklagebank

Vor dem Landgericht Augsburg muss sich Marcus von Anhalt wegen Steuerhinterziehung verantworten.

(Foto: dpa)
  • Vor dem Landgericht Augsburg muss sich Marcus von Anhalt verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Adoptiv-Prinzen Steuerhinterziehung vor.
  • Es geht um falsch abgesetzte Kosten für Luxusautos.
  • Im Vorfeld der Verhandlung gab es erste Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung.
Von Stefan Mayr, Augsburg

Marcus von Anhalt inszeniert seinen Auftritt vor Gericht

Er liebt es, im Rampenlicht zu stehen. Wenn Marcus von Anhalt - Party-Prinz, Bordellbesitzer und Adoptivsohn von Frédéric von Anhalt und Zsa Zsa Gabor - einen Fotografen sieht, knipst er sein Kameralächeln an, hat einen flotten Spruch auf den Lippen. Auch an diesem Mittwoch vor dem Landgericht Augsburg inszeniert er seinen Auftritt auf der Anklagebank. Auf die Frage, ob man sein Foto pixeln müsse, sagt er: "Ist wurscht. Ich bin mit oder ohne Pixel genauso hässlich." Und mit einem breiten Grinsen in Richtung Staatsanwalt ruft er den Journalisten zu: "Das ist der Bösewicht".

Der Staatsanwalt sieht das sicher anders. Er wirft dem Adoptiv-Prinzen, der seit April in Untersuchungshaft sitzt, Steuerhinterziehung vor - für die Jahre 2007 bis 2011 in Höhe von 747 279 Euro. Zusätzlich soll der Angeklagte versucht haben, weitere 823 603 Euro zu hinterziehen. Diese Tat war nach Angaben des Anklagevertreters aber noch nicht vollendet, weil der Steuerbescheid noch nicht ergangen ist.

Der 47-Jährige soll Kosten für seine zahlreichen Fahrzeuge - unter anderem einen Porsche 911, einen Mercedes SL 55 AMG, einen Maybach, einen Rolls Royce Ghost und einen Ferrari F430 - als Betriebskosten von der Steuer abgesetzt haben, obwohl er sie ausschließlich privat nutzte. Zudem soll er durch unrichtige Angaben Umsatz-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer verkürzt haben.

Eigentlich lebt Marcus von Anhalt in der Schweiz. Das Landgericht Augsburg ist zuständig, weil einige der Autos in Neu-Ulm angemeldet waren.

Luxus-Autos dienen der Vermarktung der Marke "Prinz von Anhalt"

Marcus von Anhalt, der mit bürgerlichem Namen Marcus Eberhardt heißt und gelernter Metzger ist, ist für seine pompösen Auftritte bekannt. Gerne zeigt er sich in der Öffentlichkeit in Phantasieuniformen, lässt sich mit Frauen und teuren Sportwagen ablichten. Nach eigenen Angaben arbeiten etwa 1000 Frauen in seinen Bordellen.

Am ersten Prozesstag ist der Gerichtssaal bis auf den letzten Platz besetzt. Einem langhaarigen Mann zwinkert von Anhalt zu, begrüßt ihn mit einem breiten Lächlen. Auch einige Zuschauer aus dem Rotlichtmilieu sind gekommen. Lange dauert der erste Verhandlungstag nicht. Bereits nach einer Stunde endete er. Zeugen werden nicht vernommen.

Auch der Angeklagte wird sich erst am Donnerstag offiziell zu den Vorwürfen äußern. Einen ersten Kommentar gibt es dann doch. Gegen den Willen seiner Anwältin. "Alle Autos waren betrieblich veranlasst", gibt er lautstark kund. Im Gespräch mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft deuteten seine Anwälte bereits an, dass die zahlreichen Autos nötig seien - "zur Verwertung der Marke Prinz von Anhalt".

Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger

Im Vorfeld des Prozesses gab es ein Gespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigern mit dem Ziel, sich zu verständigen. Das Protokoll verliest der Richter am ersten Prozesstag. Die Verteidiger des Adoptiv-Prinzen boten demnach an, eine Schadenswiedergutmachung zu hinterlegen. Die Staatsanwaltschaft stellte bei "Durchverhandlung und Verurteilung" eine Straferwartung von vier bis fünf Jahren in Aussicht. Und das Gericht stellte bei Schadenswiedergutmachung eine Haftstrafe von drei bis dreieinhalb Jahren in Aussicht.

Auf diese Absprache wird es womöglich hinauslaufen. Die Deal-Gespräche sollen am Donnerstagnachmittag fortgesetzt werden - nachdem der Angeklagte sich zu den Vorwürfen geäußert hat. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale hat hierfür den gesamten Vormittag eingeplant - und für den weiteren Prozess 15 Sitzungstage angesetzt.