Prozess gegen Ex-Polizeichef:Was der Schüler sagt

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An die Ohrfeige kann sich Florian K. nicht mehr erinnern. Er hat die Sache ganz anders in Erinnerung. "Wir kamen in die Wache, ich hab' mich gleich hingesetzt", erzählt er. "Dann hab' ich ihn gefragt, warum er mich getreten hat, und er hat mich angeschrien, dass mich das gar nichts angeht. Er ist immer lauter geworden, dann bin ich auch lauter geworden. Dann ist er richtig ausgetickt. Er hat mich an den Schultern hochgerissen, hat mich umgedreht und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen."

"Wie oft", fragt der Vorsitzende Richter. "Mindestens dreimal", sagt Florian. "Bis meine Mutter reinkam und geschrien hat" Für sie ist die Szene unvergesslich. Sie sah, wie ihr Sohn auf die Wache geführt wurde. "Ich hab' gebettelt, dass sie mich auch reinlassen, aber ein Beamter hat immer wieder die Tür zugedrückt."

Endlich sei es ihrer Freundin gelungen, die Tür aufzudrücken. "Und da hab' ich gesehen, wie der M. meinen Sohn mit der rechten Hand am Nacken hatte und ihn mehrmals gegen die Wand geschlagen hat. Hundertprozentig. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf raus".

Rudolf M. hat einen Entschuldigungsbrief an Florian K. geschrieben, in dem steht: "Ich wollte eigentlich nur, dass Du dich hinsetzen sollst. Es war nie meine Absicht, dass Du mit dem Kopf gegen die Wand stößt."

Florian K. sagt, diesen Brief hätte er lieber nicht bekommen.

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