Prozess "Heimatgefühl zu verkaufen ist oft ein Marketing-Gag"

Mit bekannten Orten, Seen, Schlössern, Klöstern oder Landschaften zu werben, ist nahezu Standard. Viele Hersteller nähmen das nicht so genau, "Heimatgefühl zu verkaufen ist oft ein Marketing-Gag", heißt es bei der Verbraucherzentrale über Lebensmittel generell, auch beim Bier gebe es Beschwerden; zuletzt über das Kloster Weltenburg, das die meisten Biere nicht dort braue, sondern in Regensburg. "Der Verbraucher war enttäuscht, er wollte Klosterbier."

Der Bayerische Brauerbund betont: Kein Ortsbier breche sein Versprechen. Wer nicht dort braue, wie es das Etikett besage, drucke dies in ordentlicher Größe zusätzlich auf. "Schummeln wäre töricht", so Geschäftsführer Walter König mit Blick auf Stammbiertrinker. Die Herkunft treibt eben auch Kunden um. In Nürnberg hat der Platzhirsch, die Tucher, Verwerfungen bewusst vermieden. Als die Nürnberger Tucher und die Fürther Patrizier vor mehr als 20 Jahren fusionierten, war das heikel. Kein Nürnberger würde Bier aus Fürth, kein Fürther Bier aus Nürnberg trinken. Die Lösung gilt als "weltweit einzigartig", sagt Brauerei-Archivar Helmut Ell. Das neu errichtete Brauhaus hat zwar eine Fürther Adresse, der größere Teil aber steht auf Nürnberger Gebiet. Und im Sudhaus stehen zwei Kessel auf Nürnberger, zwei Kessel auf Fürther Boden. Alle Kunden haben örtliches Bier. Noch mal gut gegangen.

Nicht nur gut ausgegangen ist es fürs "Neuschwansteiner". Denn bei der "Methode royale" ließ das OLG eigene Sachkunde walten: Der Kunde erwarte eine besondere Herstellungsmethode, einen quasi "royalen Brauvorgang". Den aber gebe es nicht: Das ist, sagte der Vorsitzende Richter, "ein ganz normales Märzenbier, wie es in jedem Supermarkt für einen Euro zu bekommen ist". Das Bier darf nun weiter so heißen, das Goldemblem mit Schloss bleibt, die Braumethode muss im Etikett verschwinden.

Im Chiemsee-Fall 2016 verhieß das Etikett danach nicht nur "gebraut in Rosenheim am Inn"; sondern zeitweilig gab es einen Anhänger an der Flasche, mit frechem Text: "Rosenheim liegt in der wunderschönen Region zwischen Chiemsee und Wendelstein. Als Oberbayern dachten wir, das sei allgemein bekannt." Demnächst will das Brauhaus, das zu Paulaner und damit zur Schörghuber-Gruppe gehört, aber eine Schaubrauerei in Chieming errichten - also am See.

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