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Proteste in Augsburg:Grüne wollen Ende der Tierversuche

Die Landtags-Grünen haben die Staatsregierung aufgefordert, Alternativen zu Tierversuchen in der Wissenschaft und einen Zeitplan für einen Ausstieg aus den Experimenten zu entwickeln. "Die Zahl der Tierversuche in Bayern ist deutlich angestiegen", sagt der Grünen-Abgeordnete Christian Hierneis. "Das ist beschämend und Resultat politischer Versäumnisse der Söder-Regierung. Die Förderung tierversuchsfreier Forschung spielt bisher keine Rolle." Aus einer Antwort auf eine Grünen-Anfrage an das Umweltministerium geht hervor, dass 2019 bayernweit mehr als 433 000 Tiere bei Tierversuchen eingesetzt worden sind. Das sind gut eineinhalb Mal so viele wie 2018. In der Hauptsache waren es Mäuse.

In einem Antragspaket verlangen die Grünen eine Strategie und einen Zeitplan, um Tierversuche nach und nach durch Alternativen zu ersetzen. Außerdem fordern sie, die Tierversuchskommission, die die Versuche genehmigt, paritätisch mit Wissenschaftlern und Tierschützern zu besetzen. Bisher gehören dem Gremium mehrheitlich Wissenschaftler an. Die Grünen erwarten aber auch von der Staatsregierung, dass sie eine Professur mit dem Schwerpunkt Alternativmethoden zu Tierversuchen einrichtet und einen jährlichen Preis für tierversuchsfreie Forschung auslobt. "Es ist wichtig, dass Studierende frühzeitig über Alternativen aufgeklärt werden", sagt Hierneis. "Außerdem müssen Alternativen auch bei der Fortbildung von Amtstierärzten eine Rolle spielen."

Derweil gibt es massive Proteste gegen ein neues Tierversuchslabor in Augsburg. In der Stadt wird derzeit eine Medizinfakultät aus dem Boden gestampft. Zu ihr soll ein 1640 Quadratmeter großes Forschungslabor mit einer Kapazität von 7800 Mäuse-Käfigen gehören. Die Tiere sollen für Experimente im Zusammenhang mit Krebs, Demenz, Diabetes, Herzinfarkt oder Schlaganfall eingesetzt werden. Tierschützer sind entsetzt. Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" hat eine Online-Petition gestartet. Sein Ziel sind 30 000 Unterschriften gegen das Projekt. Mehr als 26 000 Menschen hätten die Petition bereits unterzeichnet. Das Wissenschaftsministerium will aber nicht von den Plänen abrücken. "Auf Tierversuche wird verzichtet, wo es möglich ist", sagte eine Sprecherin. Tierversucher seien aber weiter nötig.

© SZ vom 29.12.2020 / cws, dpa
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