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Prognose:Mehr Arbeitslose erwartet

Bayerns Jobcenter setzen für 2020 auf bessere Qualifizierung

In der Vergangenheit kannte der bayerische Arbeitsmarkt vor allem eines: Rekordmeldungen. Die Zahl der Arbeitslosen sank beständig, die Zahl der Beschäftigten stieg. Doch mit neuerlichen Rekorden dürfte es nun in Teilen vorbei sein. Für 2020 erwartet die Regionaldirektion Bayern der Arbeitsagentur wieder steigende Arbeitslosigkeit. Durchschnittlich 4400 Personen könnte das Plus gegenüber dem vergangenen Jahr betragen. Damit wären im Jahresmittel 218 000 Menschen in Bayern arbeitslos gemeldet, die Quote stiege voraussichtlich von 2,8 auf knapp drei Prozent. Das teilte die Regionaldirektion am Mittwoch mit. Relativ gesehen fällt die Prognose für Bayern schlechter aus als die für Gesamtdeutschland. Während die Arbeitslosigkeit bundesweit nur um 0,1 Prozent steigen könnte, schlügen im Freistaat 2,1 Prozent zu Buche.

Natürlich sind Vorhersagen - gerade wenn sie auf Relationen bauen - mit Vorsicht zu genießen. So ist die Arbeitslosigkeit im Bund deutlich höher als im Freistaat. Und absolut bleibt die Prognose unter dem Wert von 2017, als im Jahresschnitt 231 000 Menschen bayernweit als arbeitslos geführt wurden. Dennoch spiegelt die Einschätzung gut die konjunkturelle Entwicklung wider. Schon jetzt nimmt Kurzarbeit zu. Arbeitsmarktexperten sehen darin einen frühen Indikator für all das, was womöglich noch kommt. Vor allem die Metall- und Elektroindustrie hat mit mehreren Problemen zu kämpfen. Sie macht einen Strukturwandel durch, gleichzeitig schwächelt das sonst so starke Exportgeschäft. Im Monatsrhythmus werden derzeit Stellenstreichungen und Werksschließungen verkündet.

Auch deshalb will die Regionaldirektion ihre Bemühungen zu Fortbildungsmaßnahmen in diesem Jahr intensivieren. Große Hoffnung verbindet man dabei mit dem Qualifizierungschancengesetz. Früher griffen Qualifizierungsmaßnahmen oft erst, wenn die Beschäftigten schon arbeitslos geworden waren. Künftig soll die Fortbildung dagegen bestenfalls dann stattfinden, wenn die Beschäftigten noch im Job sind - um sie so für neue Aufgaben im Unternehmen vorzubereiten. Proaktiv statt reaktiv also. Verkäufer im Einzelhandel könnten sich zu Fachkräften im E-Commerce fortbilden, Anlagetechniker zu Fachkräften für die additive Fertigung.

Letztlich scheint der bayerische Arbeitsmarkt weiter "aufnahmefähig" zu sein, wie es im Fachjargon heißt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dürfte zum Beispiel weiter steigen, auf wohl 5,7 Millionen Menschen. Auch ist die Vakanzzeit hoch: 136 Tage dauerte es 2019 im Schnitt, um eine Stelle zu besetzen. 2010 waren es 59 Tage. Zumindest ein wenig helfen könnte hierbei das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz, das die Anwerbung von Fachkräften im Ausland einfacher machen soll. Als Vorbild gilt das Programm "Triple Win", das unter anderem in Serbien und auf den Philippinen um Pflegekräfte wirbt. Solche Vermittlungsabsprachen mit anderen Ländern könnten auch für andere Branchen genutzt werden. Bis das aber in der Praxis reibungslos funktioniert, steht den Jobcentern noch viel Arbeit ins Haus.

© SZ vom 23.01.2020
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