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Profiler bei der Polizei:Warum geschehen derartige Verbrechen?

Der Profiler interessiert sich dafür, warum Täter solch grausame Verbrechen begehen. Ausgehend von dieser Frage ist er überhaupt zu dem Job gekommen. "Jeder hat zum Beispiel sexuelle Phantasien, manche haben welche, die von der Normalität abweichen. Wieso überschreiten aber dann einige die Schwelle und leben diese Phantasien tatsächlich aus?", fragt sich der Profiler.

Angefangen hat er bei der Kriminalpolizei in München im Dezernat für Sexualdelikte. Als 1996 die Idee aufkam, ein deutsches Pilotprojekt für Profiling zu starten, bewarb er sich als 24-Jähriger. Gemeinsam mit einem erfahrenen Mordermittler baute er die Operative Fallanalyse Bayern auf, wie seine Abteilung heute heißt.

Er flog in die USA, wo das FBI Profiling seit Ende der siebziger Jahre entwickelte, er schaute sich bei Kollegen in Kanada und Großbritannien um. Vor allem aber lernte er aus eigenen Fällen, wie in Waldmünchen und auch beim Maskenmann, dem er mehr als zehn Jahre auf der Spur war, weshalb ihn der Soko-Leiter damals auch zur Vernehmung bat. "Das war sehr ungewöhnlich, Vernehmungen bleiben eigentlich den Mordermittlern vorbehalten", sagt Horn.

Erst Mord, dann Sexualverbrechen, dann der Rest

Etwa 70 Prozent aller Fälle, die er bearbeitet, sind Tötungsdelikte. 20 Prozent sind Sexualstraftaten und zehn Prozent andere Verbrechen wie Serienbrandstiftungen. In seinem Team arbeiten deshalb ein ehemaliger Brandermittler, ein früherer Therapeut für Sexualstraftäter und ein Kollege, der einmal bei der Spurensicherung war.

"Natürlich kumuliert bei uns die Perversion besonders drastischer Fälle", sagt Horn. Ihn schreckt so etwas aber nicht ab. "Man lernt damit umzugehen." Viel wichtiger ist ihm die Botschaft, dass auch hinter den perversesten Fällen oft Täter stecken, die nach außen hin ein normales Leben führen - und nicht wie im Film Verbrechergenies sein müssen. "Ein Hannibal Lecter ist mir noch nicht untergekommen", sagt Horn. Es wäre ihm auch ganz lieb, wenn es dabei bleiben würde.

© SZ vom 27.02.2013/infu
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