Preview So echt ist der Franken-Tatort

Das Team des Franken-Tatorts ist vor allem wegen des echten Dialekts beliebt.

(Foto: Olaf Tiedje/dpa)

An der Uni Würzburg dürfen 200 Auserwählte den neuen Franken-Tatort anschauen. Ein Anatomie-Professor erklärt, wie realitätsnah die medizinischen Details sind.

Von Katja Auer, Würzburg

Ein Schaulaufen am roten Teppich war angekündigt, da haben sie in Würzburg durchaus Erfahrung. Erst im vergangenen Jahr huldigten Hunderte vor der Residenz der schwedischen Königin Silvia. Na ja, sie versuchten es wenigstens, es gab da ein paar Missverständnisse über die Verweildauer von Majestäten auf roten Teppichen. Einfacher ist das, wenn Dirk Nowitzki heimkommt, der zwar kein König ist, aber wie ein solcher empfangen wird. Der winkt einfach so lange vom Balkon, bis alle zufrieden sind.

Das ist am Montagabend recht schnell gegangen, aber die Ehrengäste standen auch nicht am Residenzbalkon, sondern im ganz und gar nicht prunkvollen Untergeschoss des Instituts für Anatomie und Zellbiologie in Würzburg. Den roten Teppich hat irgendwer dann doch weggelassen.

Knutschen in der Würzburger Festung

Zum "Tatort"-Gucken waren ein paar Hundert Auserwählte geladen, die sich nach mehr als einem Jahr den zweiten Krimi des BR aus der Reihe anschauen durften, bevor er am 22. Mai ausgestrahlt wird. Zwar hat sich die Aufregung im Norden Bayerns inzwischen etwas gelegt darüber, dass es nach Jahren der Benachteiligung gegenüber dem Süden endlich einen eigenen Franken-"Tatort" gibt, aber immer noch hören es die Leute gern, wenn die Schauspieler erzählen, dass sie total gerne in Franken drehen.

An diesem Abend sind ohnehin jene da, die dem Franken-"Tatort" den Lokalkolorit verleihen: die gebürtige Bambergerin Eli Wasserscheid, die als Kommissarin Wanda Goldwasser diesmal in der romantischen Kulisse der Würzburger Festung knutschen darf. "Sensationell, würde ich jederzeit wieder machen", sagt sie und der angesprochene Kollege wird ein bisschen rot.

Andreas Leopold Schadt gräbt dagegen als Kommissar Sebastian Fleischer wieder vergebens die hübsche Partnerin an. Dafür darf er seinen Hofer Akzent pflegen, den er auch sonst nicht ablegt. Und da steht natürlich noch der Kabarettist Matthias Egersdörfer, der Michael Schatz mimt, den Chef der Spurensicherung, und auch auf dem imaginären roten Teppich immer so schaut, als ob er gerade äußerst widerwillig vom Kanapee aufgestanden wäre.

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Die "Tatort"-Zuschauer werden sich wie jene seiner Bühnenprogramme in die zwei Gruppen spalten, die ihn entweder brillant und ungeheuer lustig finden oder einfach nur missmutig. Im Würzburger Hörsaal sind erstere in der Mehrheit, vielleicht schon deswegen, weil Schatz das wunderbare Wort "Doldi" verwendet, das im Fränkischen viel zu selten noch als wohlklingenderes Synonym für den gängigeren "Depp" gebraucht wird.

Von Rosenblättern und Gurkenscheiben

Ins Institut für Anatomie wurde deswegen geladen, weil einer der drei parallelen Fälle des "Tatorts" "Das Recht, sich zu sorgen" dort spielt. Der echte Professor Süleyman Ergün bescheinigt dem Team eine passable Leistung und gibt zu, dass er im Drehbuch das ein oder andere "Feintuning" vorgenommen habe. Soll ja alles korrekt sein. Wie das mit der Herzklappe.

Die sei "so zart wie ein Rosenblatt", erzählt Ergün und er könne allen nur empfehlen, mal eine solche Herzklappe in die Hand zu nehmen. Hat er den "Tatort"-Leuten wohl auch. Im Film jedenfalls redet die Professorin von Herzklappen. Und nimmt dabei eine Gurkenscheibe zwischen die Finger.