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Präventionsprogramm "Kein Täter werden":Hilfe für 218 Pädophile

Was tun, wenn einem Kinder lieber sind als sie es sein sollten? Das Präventionsprogramm "Kein Täter werden" in Regensburg hat in den vergangenen drei Jahren 218 pädophilen Männern anonym geholfen, darunter Studenten, Lehrer - und katholische Priester.

Männer mit pädophilen Neigungen können in Bayern weiterhin auf professionelle Hilfe bauen. Das Präventionsprogramm "Kein Täter werden" der Universität Regensburg wird um drei Jahre verlängert. Die bayernweit einzigartige Anlaufstelle richtet sich wie bisher an Männer, die sich zu Kindern sexuell hingezogen fühlen, jedoch noch nicht straffällig wurden. Es wird absolute Anonymität garantiert.

Seit dem Start des Modellprojekts 2010 in Regensburg hätten sich 218 Interessenten gemeldet, sagte Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) am Donnerstag in München. Viele hätten bereits eine anonyme Beratung erhalten. Knapp ein Viertel habe eine Therapie aufgenommen. Derzeit befänden sich 33 Männer in Gruppen- und Einzeltherapie. Die hohe Resonanz sei ein Beleg dafür, dass die Ambulanz gebraucht werde. "Mit jeder Therapie, die einen potenziellen Täter erreicht, machen wir die Welt für unsere Kinder ein Stück sicherer", sagte die Ministerin.

Die Betroffenen werden in Regensburg anonym erfasst, und die Mitarbeiter der Ambulanz unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Ziel der Therapie ist es, den Patienten dabei zu helfen, mit ihren Fantasien umzugehen und tatsächliche sexuelle Übergriffe zu verhindern.

Pädophile Straftäter werden in Regensburg nicht aufgenommen

Das Justizministerium fördert das Projekt nach eigenen Angaben mit bis zu 200.000 Euro im Jahr. Bisher wurden 441.000 Euro für Patienten aus fast allen sozialen Schichten investiert. Studenten, Lehrer, Ingenieure, Arbeiter und katholischen Priester nahmen bereits teil. Die Altersspanne reicht von 19 bis 75. Während der ein bis zwei Jahre dauernden Therapie müssen sie alle akzeptieren lernen, dass sie für ihre Neigung weder verantwortlich sind, noch dass sie sie ändern können. Nicht aufgenommen wird, wer bereits wegen Pädophilie verurteilt worden ist. Straftäter werden nach ihrer Haftzeit meist in einer der drei psychotherapeutischen Fachambulanzen in Bayern betreut.

Weil die Patienten nicht riskieren wollen, dass es so weit kommt, sind sie auf Regensburg angewiesen. Deutschlandweit gibt es nur sechs weitere vergleichbare Einrichtungen, das nächste in Leipzig. "Es geht primär darum, dass potentielle Täter durch die Therapie Verhaltensregeln lernen, damit sie keine Tat begehen", sagt Projektleiter Michael Osterheider. Aus einem Menschen mit pädophiler Neigung werde nicht automatisch ein Täter. Ebenso wenig sei ein Mensch, der einen Übergriff auf ein Kind begehe, definitiv pädophil. Mehr als die Hälfte der wegen Sexualstraftaten an Kindern Verurteilten, sagt Osterheider, seien nicht pädophil, sondern hätten die Tat als Ersatzhandlung begangen.

Dass solche Feinheiten in der Gesellschaft auch verstanden werden, ist ebenfalls ein Anliegen der Ambulanz - auch im Interesse der Patienten. Diese haben sich alle freiwillig gemeldet, weil sie lernen wollen, mit ihrer Neigung zu leben. Für viele von ihnen ist eine ihrer größten Sorgen, dass man sie als Sexmonster abstempeln könnte.

Weitere Informationen: www.kein-taeter-werden-bayern.de