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Prävention im Straßenverkehr:Deutlich weniger Verkehrstote im Freistaat

Kreuz an der A95 in München, 2020

Sinnbild einer Tragödie: Ein Holzkreuz an der A 95 erinnert an einen Unfall, der tödlich endete.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Jahr 2019 starben durch Unfälle auf Bayerns Straßen 541 Menschen - neue Konzepte sollen die Opferzahl weiter senken

Im Freistaat hat es zuletzt deutlich weniger Verkehrstote gegeben. Wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch in München bei der Bilanz des Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramms 2020 mitteilte, starben im vergangenen Jahr auf Bayerns Straßen 541 Menschen durch Unfälle. Das sei der niedrigste Stand an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 60 Jahren. "Im Vergleich zu 2011, dem Bezugsjahr des Verkehrssicherheitsprogramms, ist das ein Rückgang um mehr als 30 Prozent", sagte Herrmann. Demnach hat sich auf den Landstraßen im Freistaat die Zahl der tödlich Verunglückten 2019 im Vergleich zu 2011 um mehr als 40 Prozent verringert.

Auch die Zahl von tödlichen Unfällen mit Motorrädern und schweren Nutzfahrzeugen sei jeweils deutlich zurückgegangen, sagte Herrmann. Ebenfalls leicht reduziert hat sich der Bilanz zufolge die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen. Im Vorjahr waren es im Freistaat nach Auskunft des Innenministeriums rund 67 000. Zu schnelles Fahren bleibt Innenminister Herrmann zufolge die häufigste Unfallursache. Allein im vergangenen Jahr gab es demnach weit mehr als eine Million erfasste Verstöße gegen Tempo-Begrenzungen - zum Teil mit erheblichen Folgen für Leib und Leben. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Bayern erhöhte sich von rund 351 000 im Jahr 2011 auf etwa 417 000 im vergangenen Jahr. Vor allem aber, so Herrmann, liege die Zunahme an Verkehrsunfällen daran, dass die Zahl der Kraftfahrzeuge in Bayern in dem Zeitraum um fast eineinhalb Millionen auf rund 10,2 Millionen im Jahr 2019 gestiegen sei.

Dennoch: Oft genug sind eben doch vermeidbare Fahrfehler die Ursache von Unfällen, wie allein dieses Beispiel zeigt: Bei zwei aufeinanderfolgenden Unfällen auf der Autobahn 8 sind nach Angaben der Polizei vom Mittwochmorgen insgesamt sechs Menschen leicht verletzt worden. Demnach kollidierten am Dienstagabend zunächst zwei Autos infolge eines Überholmanövers auf Höhe des Rastplatzes Fuchsberg. Dabei erlitten vier Menschen leichte Verletzungen. Wenig später kam es in dem daraufhin gebildeten Stau noch zu einem Auffahrunfall. Da die Fahrerin eines Autos nicht rechtzeitig bremsen konnte, schob sie mit ihrem Wagen zwei weitere Wagen ineinander. Dabei wurden wiederum zwei Menschen leicht verletzt.

Insgesamt aber gelte: Das Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm 2020 zeige Wirkung. Die gesunkenen Zahlen der Verkehrstoten, so betonte Herrmann, seien vor allem der intensiven Verkehrssicherheitsarbeit von Straßenbaubehörden und häufigen Polizeikontrollen zu verdanken. "Der Rückgang der Verkehrstoten ist umso beachtlicher, weil auch immer mehr Menschen auf Bayerns Straßen unterwegs sind", fasste Herrmann zusammen.

Laut Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) hat der Freistaat in den Jahren insgesamt fast 440 Millionen Euro investiert, um Bayerns Straßen verkehrssicher zu machen, etwa durch zusätzliche Fahrspuren oder Schutzplanken.

Ein neues, bis 2030 angelegtes Verkehrssicherheitsprogramm wollen die Minister Anfang nächsten Jahres vorstellen. Im Fokus stehe dann die Zielsetzung, die Zahl der schweren oder sogar tödlichen Verkehrsunfälle im Freistaat noch weiter zu reduzieren. "Die Menschen sollen in Bayern sicher von A nach B kommen", sagte Schreyer. Neben dem laufenden Ausbau der Verkehrssicherheit für Motorradfahrer und im Schwerverkehr solle dann besonders der Schutz von Radfahrern und Fußgängern noch mehr in den Fokus rücken. Auch die Erhöhung der Sicherheit für besondere Verkehrsteilnehmer wie Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderung stehe auf der Agenda, sagte Verkehrsministerin Schreyer. Grundlage und Vorbild dieses geplanten Verkehrssicherheitsprogramms soll nach Aussage der beiden Minister das Sicherheitskonzept "Vision Zero" sein, das in Schweden Ende der 1990er Jahre erstmals auch im Straßenverkehr angewandt wurde und bei welchem "die Unversehrtheit des Menschen im Mittelpunkt steht".

© SZ vom 22.05.2020 / dpa/dm

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