Präventionsbericht Die Bayern werden immer älter

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

(Foto: Hartmut Pöstges)
  • Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gibt in einem Bericht Anregungen zu einer gesünderen Ernährung.
  • Der Bericht enthält zudem Erkenntnisse über den Gesundheitszustand der Bayern: Die Menschen im Freistaat ernähren sich immer gesünder.
  • Außerdem hat sich die Zahngesundheit deutlich verbessert.
Von Dietrich Mittler, Augsburg

Es ist eine makabre Rechnung, doch nun kann sie jeder zur Kenntnis nehmen: "Im Jahr 2016 gingen in Bayern insgesamt 212 000 Lebensjahre durch vorzeitige Todesfälle unter 65 Jahren verloren." Nachzulesen ist dies im ersten bayerischen Präventionsbericht, den Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Montag im Augsburger Rathaus der Öffentlichkeit vorstellte. Er soll der Bevölkerung durchaus auch als Anregung dienen, "die gesundheitliche Eigenverantwortung zu stärken". "Keinesfalls", so stellte Huml klar, "geht es dabei aber um eine Pflicht, gesund zu leben." Der Schwerpunkt bayerischer Präventionspolitik liege auf Überzeugungsarbeit, und hierzu liefere der neue Bericht "eine aktuelle Datenbasis".

Viele der durch eine Krankheit aus dem Leben gerafften Menschen, so ist sich auch die Ministerin sicher, könnten heute noch leben - hätten sie für sich Maßnahmen der Gesundheitsprävention in Anspruch genommen. Insbesondere Volkskrankheiten wie Diabetes Mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einige häufige Krebsleiden könnten "in vielen Fällen vermieden, zumindest aber positiv beeinflusst werden". Ein großer Teil von Krankheiten wird auch in Bayern durch einige wenige Riskofaktoren verursacht - durch Rauchen, Bluthochdruck, übermäßigen Alkoholkonsum, eine ungesunde Ernährung und erhöhtes Körpergewicht.

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Das spiegelt sich auch im neuen Bericht wider. Demnach sind 39 Prozent der Todesfälle in Bayern auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, 25 Prozent auf Krebserkrankungen. Aber auch die nichttödlichen Erkrankungen bedingen oft eine starke Einschränkung der Lebensqualität. Nicht zuletzt sind sie aber auch ein Kostenfaktor. Laut Präventionsbericht beliefen sich die Gesundheitsausgaben in Bayern im Jahr 2014 auf 51,6 Milliarden Euro.

Verglichen mit diesem hohen Betrag wirken die Ausgaben bezüglich Präventionsarbeit, Gesundheitsförderung und Gesundheitsschutz durchaus ausbaufähig. In diese drei Bereiche wurden 2014 im Freistaat rund 1,9 Milliarden Euro investiert. Dabei tragen diese Ausgaben Früchte, wie etwa der Rückgang der Säuglingssterblichkeit beweist. Die war in Deutschland in den Sechzigerjahren noch deutlich höher als in den meisten anderen westlichen Industrieländern. Mittlerweile kommen im Freistaat, wie Huml hervorhob, auf 1000 Lebendgeburten weniger als drei Totgeburten.

Die Lebenserwartung in Bayern ist weiter gestiegen

Deutlich verbessert habe sich auch die Zahngesundheit. Wie Huml sagte, haben nun 72 Prozent der Zwölfjährigen "naturgesunde Gebisse". Dank intensiver Prävention sei zudem ein "Rückgang des Rauchens sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen" zu beobachten sowie eine Stagnation des Übergewichts bei Einschulungskindern. Ebenfalls erfreulich: Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist laut Bericht "stark rückläufig".

Ein weiteres Indiz dafür, dass sich Prävention lohnt, sieht Huml darin, dass die Lebenserwartung der Menschen in Bayern nun so hoch sei wie noch nie. Männer werden demnach im Schnitt mittlerweile 79,1 Jahre alt, Frauen 83,6 Jahre. Laut Präventionsbericht fühlen sich im Freistaat mehr als 70 Prozent der Menschen gesund und bewerten ihren Gesundheitszustand als "gut" oder sogar als "sehr gut". Aber längst nicht alles ist eben gut. So ist zwar bei Kindern der Trend zur Adipositas gestoppt, im weiteren Lebensverlauf jedoch nimmt der Anteil der Übergewichtigen zu.

Während Huml für den neuen Bericht, der neben den Präventionsangeboten unter anderem auch die Akteure der Gesundheitsvorsorge auflistet, um Anerkennung wirbt, kommt seitens der Landtagsopposition Kritik: "Es ist eine schöne Fleißarbeit, aber ich weiß nicht so recht, was wir damit anfangen sollen", sagt Ruth Waldmann, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Was bei all den Angaben fehle, sei der Bezug zum tatsächlichen Bedarf. "Im Bericht wird etwa schön beschrieben, warum die geriatrische Reha wichtig ist", sagt Waldmann. Dass aber der Anteil der Plätze aufgrund einer schlechten Finanzierung dramatisch sinke, "dazu schreiben sie da nichts". Christina Haubrich von den Grünen wiederum vermisst in diesem Bericht "geschlechterspezifische Präventionsmaßnahmen".

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