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Prämierter Whisky aus Bayern:"Wir produzieren für normale Menschen"

Die Geschichte kam in der Familie erst auf, als Alois Schraml den Betrieb übergab und der Sohn zu einer Neuauflage ansetzte. Whisky aus der Oberpfalz? Niemals würde das funktionieren, warnte der Vater. Er täuschte sich. Der Sohn, ein studierter Lebensmitteltechnologe mit Erfahrung als Produktentwickler, verpasste dem Whisky eine edlere Verpackung, einen neuen Namen und schickte ihn zur internationalen Begutachtung.

Whiskyglas

Die Lagerung ist für Kenner das Wichtigste beim Whisky: Für sie kommen 95 Prozent des Geschmacks aus den Holzfässern. Beim Stonewood 1818 sind das Aromen von Vanille, Zitronengras und Honig.

(Foto: Nicky Loh/rtr)

Derart aufgemotzt, setzte der alte Bauernkorn nun als Stonewood 1818 Bavarian Single Grain Whisky zum Siegeszug an - wohl auch deshalb, weil analog zum Wein eine Whisky-Kennerschaft entstanden war. Die Zeit war schlicht reif, glaubt Schraml: "Das Umfeld ist ganz anders heute, es gibt einen regelrechten Hype. Ein gutes Produkt wird da immer Erfolg haben." Die Kollegen Liebl aus Bad Kötzting und Lantenhammer vom Schliersee werden dem beipflichten: Auch deren bayerischer Whisky verkauft sich gut, obschon deutlich jünger als der Schramlsche.

Ob Steinwald-Whisky, Bauernkorn oder Stonewood 1818: An der Herstellungsweise des Brandes hat sich seit mehr als hundert Jahren nicht das geringste verändert. Christoph Karl Schraml, Gregors Urgroßvater, hat die Rezeptur Ende des 19. Jahrhunderts schriftlich festgehalten, womöglich reicht sie sogar noch weiter zurück. Bis heute hält sich Gregor Schraml penibel genau an die Vorgaben. Lediglich die Arbeitsumgebung hat sich ein wenig gewandelt.

Mitte der Siebziger haben die Schramls ihren Firmensitz in ein altes Benediktinerkloster verlegt. Mitten im Ort stellen sie ihren Whisky her. In zwei riesigen Holzfässern schäumt die Maische aus Weizen und Braugerste, ehe sie in der Destillerie gebrannt wird. Ein süßer, schwerer Duft wabert durch die Luft. Gregor Schraml heizt mit Holzscheiten, das war ihm wichtig, als die Anlage 2008 erneuert wurde.

Das Herzstück des Unternehmens ist nicht größer als eine Doppelgarage und sieht aus wie eine Waschküche. Drei Metalltanks stehen im Eck, daneben ein Waschbecken, ein Abfluss, unter der Dachschräge verlaufen Leitungen. Die Anlage zur Reinigung der Brände ist in einem ehemaligen Wasch- und Backhaus untergebracht, auch hier sind die Wände gefliest, alles hat seinen Platz.

Wie wohlhabend Klöster waren, merkten die Schramls an der Bausubstanz. Die Mauern der Propstei bestehen halb aus Granit, halb aus Ziegel. Im Sommer halten sie kühl, im Winter warm. Der Stonewood 1818 lagert in einem Kellergewölbe bei konstant 13 Grad, gerade mal elf Fässer aus französischer Limousin-Eiche finden hier Platz. Eines der Geheimnisse besteht darin, dass die Fässer nur schwach getoastet sind, also kaum geröstet. So entsteht der milde Geschmack mit Aromen von Vanille, Zitronengras und Honig.

Anfangs waren die Schramls skeptisch, ob die Nachfrage an ihrem Whisky anhält. Die Zweifel sind verschwunden, das Sortiment wird kräftig erweitert. Der Stonewood Woaz, ein fünf Jahre alter Single Wheat Malt, befindet sich bereits im Angebot; ein drei Jahre alter Whisky soll in Kürze folgen. Dieses Jahr werden die Schramls ihre Whisky-Produktion auf 20.000 Flaschen aufstocken - ein Vielfaches des bisherigen Kontingents und doch nur ein Klacks im internationalen Vergleich: Die kleinsten Whiskybrenner in Schottland stoßen jährlich 130.000 Flaschen aus, die größten bis zu 50 Millionen Liter.

Die Schramls nutzen ihren Whisky bislang vor allem als Werbeträger. Der Anteil des Stonewood 1818 am jährlichen Gesamtausstoß von 80.000 Flaschen liegt lediglich im Promillebereich, "aber er hat unsere gesamte Produktpalette hochgezogen". Das Kerngeschäft läuft über ebenfalls international prämierte Liköre, Obstgeiste und Bierbrände. Außerdem lassen einige bayerische Brauereien ihr Bier, überwiegend Bock, in Erbendorf zu Schnaps verarbeiten, den sie dann unter eigenem Namen vertreiben. Auch deshalb ist die Brennerei Schraml gut ausgelastet: Die Umsatzsteigerungen in den vergangenen Jahren fielen stets zweistellig aus, mittlerweile beschäftigt der Betrieb sechs Mitarbeiter.

Ein interessanter Tropfen: Bavarian Dry Krammelbeer Gin

Weil die Schramls wissen, was sie ihrer Kundschaft schuldig sind, werden sie aber auch in Zukunft nicht an ihrer Philosophie rütteln: Frucht, Holz, Erfahrung und Zeit, von allem gut und reichlich, "sonst kommt nur Müll heraus", sagt Gregor Schraml. Hin und wieder müsse ein gutes Produkt einfach nur ein bisschen anders präsentiert werden, ohne die Tradition zu verraten.

Den Ehrgeiz, seinen Whisky bei weiteren internationalen Verköstigungen auf die Probe zu stellen, verspürt der 37-Jährige nicht. "Es ist zwar schön, wenn er dem Experten-Urteil standhält, aber wir produzieren für normale Menschen", sagt er. Allerdings habe er da noch einen anderen interessanten Tropfen im Sortiment, den Bavarian Dry Krammelbeer Gin. Vielleicht werde er den demnächst zur Wine and Spirits Competition nach London schicken.

© SZ vom 18.08.2012/infu
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