Postenpoker in Berlin Söder, Ferber oder andere

Die Suche nach einem Seehofer-Nachfolger löst in Berlin heftige Spekulationen aus - im Gespräch sind gleich mehrere Kandidaten.

Von Stefan Braun und Daniela Kuhr

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm unternahm am Montag alles, um Spekulationen abzuwehren - und gab ihnen am Ende unfreiwillig neue Nahrung. Als er nach dem möglichen Nachfolger für Bundes-Landwirtschaftsminister Horst Seehofer gefragt wurde, sagte er, dass die CSU dies allein entscheiden werde, das sei so üblich in Koalitionen.

Im Gespräch für einen Posten im Berlin: Markus Söder.

(Foto: Foto: dpa)

Als sich die Frage anschloss, ob es einen größeren Wechsel im Kabinett geben könnte, scheute Wilhelm eine Antwort. Stattdessen wies er darauf hin, dass solche Fragen von der Koalition, also den Parteien, entschieden würden.

Er sei nicht der richtige Ansprechpartner. Und so gibt es in Berlin und München nach wie vor viele Spekulationen, die mal einen großen Umbau des Berliner Kabinetts, mal einen kleinen vorsehen. Sicher ist nur eines: Niemand, womöglich nicht mal Seehofer, weiß wirklich, welche Namen er am Donnerstag präsentieren wird.

Spekulation eins

Das Kabinett wird in großem Stil umgebaut, die CDU bekommt das Wirtschaftsministerium, die CSU im Gegenzug das Verteidigungsministerium. Michael Glos (CSU) könnte ins Landwirtschaftsministerium wechseln, Verteidigungsminister könnte der junge Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg werden, der sich außen- und verteidigungspolitisch hervorgetan hat.

Das Wirtschaftsministerium könnten Roland Koch oder Norbert Röttgen (beide CDU) übernehmen. Wahrscheinlichkeit: sehr gering. Koch darf nach der hessischen Verfassung vor seiner Abwahl nicht weg, und Seehofer weiß, dass die Wirtschaftspolitik eine offene Flanke der CSU ist. Er wird das Ministerium in Berlin kaum hergeben, wo er es gerade erst in Bayern an die FDP verloren hat.

Spekulation zwei

Die CSU behält das Wirtschaftsministerium, Seehofer besetzt es aber mit Ex-CSU-Generalsekretär Markus Söder oder dem Chef der CSU-Gruppe im EU-Parlament, Markus Ferber. Glos könnte auch bei dieser Variante ins Landwirtschaftsministerium wechseln - es sei denn, Seehofer will dort seinen bisherigen Staatssekretär Gerd Müller oder einen Jungen aus der Landesgruppe platzieren. Wahrscheinlichkeit: größer, aber auch nicht besonders groß. Söder und Ferber gelten als Größen der Zukunft, sind beide aber auch für Ämter in München im Gespräch.

Spekulation drei

In Berlin bleibt alles, wie es ist, nur Seehofer wird ersetzt. Glos gilt zwar als glücklos in seinem jetzigen Amt, aber viele in der CSU spüren, dass er sich gerade in diesen Tagen besonders ins Zeug legt, um Profil zu gewinnen. Im Gespräch für die Seehofer-Nachfolge ist erneut Guttenberg, der sich aber verbraucher- und agrarpolitisch bisher keinen Namen gemacht hat.

Denkbar ist auch, das Amt mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Ilse Aigner oder Ferber oder Müller zu besetzen. Müller hätte den Vorteil, dass er sich nicht einarbeiten müsste, für Aigner, Guttenberg oder Ferber spräche, dass sie als neues Gesicht präsentiert werden könnten. Wahrscheinlichkeit: am größten, aber ohne jede Gewissheit.

Seehofer weiß, im Ministerium stehen ausgerechnet in den nächsten Monaten Aufgaben an, die Durchsetzungskraft erfordern. In der zweiten Novemberhälfte finden zentrale Verhandlungen mit der EU-Kommission statt. Dabei geht es um eine Reform der Agrarsubventionen und um einen neuen Fonds für die deutschen Milchbauern.