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Porträt: Christine Haderthauer: "Ich glaube, ich bin eine Chance für die Partei"

Sie selbst ist von keinerlei Selbstzweifeln angekränkelt: "Ich glaube, ich bin eine Chance für die Partei." Haderthauer sollte das Defizit ausgleichen, das die CSU seit langem bei jüngeren Frauen hat. So hatte sich Parteichef Huber das gedacht. Eine Frau, die erfolgreich als Anwältin gearbeitet hat, ehe sie Abgeordnete wurde, und trotzdem verheiratet ist und Kinder großgezogen hat, so wie es sich in der CSU immer noch gehört. Die dazu eloquent und telegen ist. Das wäre in der Tat eine Chance für die CSU gewesen.

Kritiker werfen CSU-Generalsekretärin Haderthauer vor, sie kenne die Partei nicht.

(Foto: Foto: AP)

Eine Erklärung für die Überdosis Selbstbewusstsein

Aber vielleicht ist das alles etwas zu schnell gegangen für Haderthauer: 2002 das erste Mandat als Stadträtin in Ingolstadt, 2003 in den Landtag gewählt, vier Jahre später bereits Generalsekretärin. Vielleicht ist dieser kometenhafte Aufstieg die Erklärung für die Überdosis Selbstbewusstsein, mit der sie die Zweifel in den eigenen Reihen ersticken will.

Und die sind im Grunde nicht geringer geworden seit ihrer Berufung. Sie kenne die Partei nicht, habe sie trotz ihrer vielen Auftritte bis heute nicht kennengelernt, im Grunde sei sie ein "Fremdkörper" in der CSU, sagen Kritiker, die allesamt zumindest vor der Wahl nicht mit Namen genannt werden wollen.

Hier zeigt sich eine alte CSU-Krankheit: In der Partei traut sich solange keiner offen Kritik zu äußern bis nicht klar ist, woher der Wind weht. Anonym aber sticheln die Herren ungeniert: Der Erfolg sei Haderthauer zu Kopf gestiegen, sie sehe sich "als eine Art Märchenprinzessin der CSU", spiele sich auf, als sei sie die geschäftsführende Vorsitzende, heißt es. "Sie ist die oberste Sekretärin der Partei, sie bestimmt nicht den Kurs", sagt einer.

Das alles könnte Haderthauer möglicherweise kompensieren, Erfolg in der Politik setzt nicht voraus, bei den eigenen Leuten beliebt zu sein. Doch dafür braucht man ein Netzwerk, zumindest ein Handvoll Leute, auf die man sich verlassen kann. Ein Netzwerk, das die anderen jüngeren Ehrgeizlinge in der CSU seit den Tagen in der Jungen Union geknüpft haben, und das Haderthauer fehlt, ja, auf das sie auch gar keinen Wert zu legen scheint. Sie habe sich inzwischen mit maßgeblichen Leuten in der Partei überworfen, heißt es in der CSU.

Chuzpe und Charisma

Der schlimmste Fehler, den Haderthauer in den Augen ihrer Parteifreunde macht, ist aber, dass sie ihrer wichtigsten Rolle nicht gerecht wird. Ein CSU-Generalsekretär wird von keinem Parteitag gewählt, er wird vom Parteivorsitzenden berufen und ist damit dessen Geschöpf. Das verlangt unbedingte Loyalität.

Haderthauer müsste eine Hausmacht für den schwächelnden Huber organisieren, müsste alle seine Fehler auf sich nehmen. Stattdessen sagt sie, der Kreuzzug gegen die Linke, das seien "Äußerungen des Parteivorsitzenden" gewesen.

Sie verlässt sich ganz darauf, dass sie an der Basis gut ankommt. "Super vernetzt" sei sie, sagt sie und hält sich selbst für "die beste Rednerin, die die CSU hat". Um mit so einem Egotrip durchzukommen, muss man schon die einzigartige Seehofer-Mischung aus Chuzpe und Charisma haben. Und selbst der musste schon Niederlagen hinnehmen.

Gut möglich, dass Haderthauer das Bauernopfer wird, wenn der Wahlabend schlecht verläuft.

Das glaubt sie selbst überhaupt nicht, und zwar nicht nur, weil sie auf ein gutes Ergebnis setzt. Sondern auch, weil sie überzeugt ist, dass sie so gut ist, dass ihr gar nichts passieren kann. "Ich liebe es, Generalsekretärin zu sein", sagt sie, der Job sei wie für sie gemacht.

Und was sagt sie all den Parteifreunden, die ihr vorwerfen, die Partei nicht zu kennen, das Geschäft nicht zu beherrschen? Als Antwort darauf streckt Christine Haderthauer den Mittelfinger heraus.