Polizistenmord "Die beiden gingen äußerst gerissen vor"

Die Staatsanwaltschaft stellt umfangreiche Ermittlungen zum Waffenarsenal der mutmaßlichen Polizistenmörder an. Inzwischen ist bekannt geworden: Die Ehefrau des Hauptverdächtigen arbeitete bei der Stadt Friedberg.

Von Stefan Mayr

Die mutmaßlichen Polizistenmörder von Augsburg zeigen sich bislang wenig kooperativ: Auch am vierten Tag nach ihrer Festnahme äußern sich die Brüder Raimund M., 58, und Rudi R., 56, zu den Vorwürfen nicht. Rudi R. weigert sich bislang sogar, einen Pflichtverteidiger zu nehmen. Deshalb wurde ihm nun von der Ermittlungsrichterin eine Frist bis Donnerstag gesetzt. Sollte er bis dahin immer noch keinen Anwalt vorweisen können, wird ihm einer von den Behörden bestellt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg wirft den zwei Männern vor, am 28. Oktober den Polizisten Mathias Vieth erschossen zu haben. Die Brüder sitzen getrennt voneinander in den Gefängnissen in Augsburg und München.

Friedberg bei Augsburg: In diesem landwirtschaftlichen Anwesen sind die beiden Tatverdächtigen festgenommen worden.

(Foto: dapd)

Während die Ermittler auf Äußerungen der Verdächtigen warten, bleibt die Stimmung in Augsburgs Nachbarstadt Friedberg angespannt. "Die kleinstädtische Idylle ist ins Wanken geraten", sagt CSU-Stadtrat und Jurist Thomas Kleist, "wir waren vor allem sehr überrascht und schockiert, dass hier ein wahres Waffenarsenal gefunden wurde." Die Polizei stellte in diversen Verstecken etwa 20 Waffen und mehr als 2000 Schuss Munition sicher.

Für besondere Fassungslosigkeit sorgt zudem, dass die Ehefrau des Hauptverdächtigen Raimund M. die Leiterin des Friedberger Standesamtes ist. Sie wurde gleichzeitig mit der Festnahme ihres Mannes im Büro von Zivilpolizisten abgeholt und vernommen. Die Stadt äußert sich zu diesem Thema offiziell nach wie vor nicht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist die Frau derzeit nicht mehr im Dienst. Sie gilt als absolut pflichtbewusst und bislang habe es keinerlei Unregelmäßigkeiten gegeben, heißt es. Dennoch werde die Stadtspitze demnächst über die Zukunft der Beamtin sprechen.

Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz betont, dass die Frau keine Verdächtige ist. Selbst wenn sie von dem Mord gewusst und ihren Mann nicht angezeigt hätte, hätte sie sich nicht strafbar gemacht - die Juristen sprechen in einem solchen Fall vom Angehörigenprivileg.

Ob unter den gefundenen Waffen jene sind, mit denen der Polizist niedergeschossen wurde, ist noch nicht geklärt. "Hier sind langwierige und aufwendige Ermittlungen nötig", sagt Oberstaatsanwalt Nemetz. Zudem werden die Waffen auch nach Fingerabdrücken und DNA-Spuren untersucht. Ebenfalls geprüft wird, ob mit einer der Waffen andere bisher ungeklärte Straftaten verübt wurden. Wann erste Ergebnisse vorliegen, konnte Nemetz am Montag nicht sagen.

Für die Tatsache, dass am Tatort bislang nur eine DNA-Spur von Raimund M. gefunden wurde, aber nicht von Rudi R., hat Nemetz eine Erklärung: "Die beiden gingen äußerst gerissen vor, sie taten alles, um Finger- und DNA-Spuren zu vermeiden."

Während Nemetz derzeit zahlreiche Presseanfragen beantworten muss, löst sich unter Augsburgs Polizeibeamten nach der Festnahme langsam die Anspannung der vergangenen Wochen. "Es herrscht große Erleichterung und eine gewisse Genugtuung, auch weil die Männer mit ihren Waffen nichts mehr anstellen können", sagt ein Polizeisprecher. "Aber zu feiern gibt es nichts", betont er, "dafür war der Tod des Kollegen zu tragisch."