Polizist in Augsburg erschossen:"Die Gewalt nimmt zu"

Es war ein Routineeinsatz, bei dem ein Polizist in Augsburg erschossen wurde. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Helmut Bahr, über die zunehmende Gewalt gegen Polizisten - und darüber, wie sich die Polizei um die Hinterbliebenen kümmert.

Stefan Mayr

Helmut Bahr ist Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Der 56-Jährige Polizeihauptkommissar berichtet nach den tödlichen Schüssen auf den Augsburger Polizeibeamten vom Freitag, wie die Polizei mit tätlichen Übergriffen auf Beamte umgeht.

Polizist bei Verfolgungsfahrt in Augsburg getoetet

In Augsburg wurde ein 41 Jahre alter Polizist erschossen. Die Beamten suchen mit Hundertschaften nach den Tätern.

(Foto: dapd)

SZ:Der getötete Polizist hinterlässt eine Ehefrau und zwei jugendliche Söhne. Wie kümmert sich die Polizei um die Hinterbliebenen?

Bahr: Wir haben ein sehr gutes soziales Netz mit dem zentralen psychologischen Dienst, mit der Polizeiseelsorge, für die Polizeipfarrer tätig sind, und mit den Personalräten.

SZ: Die Familie des Polizisten wurde eineinhalb Stunden nach der Tat informiert. Wie genau sieht die Hilfestellung in solchen Extrem-Situationen aus?

Bahr: Dazu möchte ich in dem konkreten Fall nichts sagen. Auch wir Gewerkschaften bieten unsere Hilfe an, platzen aber nicht gleich am ersten Tag danach ins Haus. Sie können sicher sein, dass die Familie nicht allein gelassen wird.

SZ:Wie geht es der Beamtin, die einen Streifschuss und einen Schock erlitt?

Bahr: Sie wird auch psychologisch betreut. Für sie wird es in jedem Fall ein einschneidendes Erlebnis sein. Ich hoffe, dass sie schnell wieder in den Dienst zurückkehren kann. Aber das wird nicht leicht werden, das ist klar. Ich weiß von ähnlichen Fällen, wo Kollegen nicht mehr in der Lage waren, Streifendienst zu machen. Hier findet die bayerische Polizei Möglichkeiten, die Betroffenen im Innendienst einzusetzen.

SZ: Die Tat vom Freitag geschah in einer Zeit, in der ohnehin von ständig zunehmender Gewalt gegen Polizisten die Rede ist.

Bahr: Die Gewalt gegenüber Polizisten nimmt eindeutig zu. Das geht von verbaler Beleidigung über tätliche Beleidigung wie Anspucken bis hin zur schweren Körperverletzung. Erst neulich hat ein Kollege bei einer Maßnahme einen Mann nur angesprochen, der hat sich dann umgedreht und sofort mit der Faust ins Gesicht zugeschlagen. So etwas geschieht immer öfter, der Respekt gegenüber Polizisten wird immer weniger.

SZ: Wobei ein Mord noch einmal eine andere Kategorie ist - oder täuscht der Eindruck, dass sich wenigstens hier die Fälle zuletzt in Grenzen hielten?

Bahr: Nein, der letzte Fall in Bayern liegt elf Jahre zurück. Aber wenn seit 1945 nicht weniger als 62 Beamte im Dienst getötet wurden, dann ist das eine horrende Zahl. Und dazwischen liegt wie gesagt eine stetig steigende Anzahl von verletzten Beamten.

SZ: Machen sich solche Morde wie vom Freitag bei der Suche nach Polizei-Nachwuchs bemerkbar?

Bahr: Nein. Jede Person, die Polizist werden will, weiß, worauf sie sich einlässt. Es bringt den einen oder anderen vielleicht zum Nachdenken. Doch die allermeisten entscheiden sich dann dennoch für diesen Beruf.

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