Bayern Es gehe es nicht "um verstaubte Moralvorstellungen"

In der Privatwirtschaft ist man in dieser Hinsicht lockerer geworden. Ein tätowierter Bankmitarbeiter wäre einst undenkbar gewesen, sagt Eva Mang vom Sparkassenverband Bayern: "Der Look des Bankers hat sich gewandelt, wie sich auch die gesellschaftliche Wahrnehmung ändert." Unter den 65 Sparkassen, die der Verband vertritt, gebe es viele, die Tattoos ohne Weiteres akzeptierten, aber: "Ich weiß auch von Banken, die da restriktiver sind." Ähnlich wie bei der Polizei zählt auch bei Bankmitarbeitern in erster Linie das Vertrauen. "Wenn die Kunden Wert darauf legen, dass ihr Banker Anzug trägt", sagt Mang, "wird sich daran auch nichts ändern".

Der Polizist Jürgen P. wollte einen Schriftzug auf dem Unterarm.

(Foto: Britta Schultejans/dpa)

Ähnlich denkt man bei der Polizei: Die Vertreter des Freistaats Bayern erklärten in der Verhandlung vor dem VGH, dass bei Polizistinnen und Polizisten im Hinblick auf Tattoos andere Maßstäbe gelten würden. Dabei gehe es nicht "um verstaubte Moralvorstellungen, sondern um den Schutz der Polizei", erklärte ein Vertreter des Innenministeriums und berief sich auf die Fürsorgepflicht des Dienstherren. Wenn eine Polizistin oder ein Polizist im Dienst von einem Bürger nur deswegen nicht akzeptiert werde, weil er ein Tattoo trage, dann stelle dies eine Gefahr dar.

Jürgen P.s Anwalt Christian Jäckle indes meinte, dass der Dienstherr erst mal nachweisen müsse, "dass tätowierten Polizeibeamten in der Bevölkerung mit Ablehnung begegnet wird". Es gibt Studien, die dies belegen. Ob diese auch wissenschaftlichen Maßstäben entsprechen, bezweifle er, sagte Jäckle.

Für Polizeibeamte gelten andere Maßstäbe als für Musiker und Sportler, befand die Vertreterin des Freistaats. Sie hätten aufgrund ihrer Uniform einen "Akzeptanzvorsprung" in der Bevölkerung. Dieser dürfe durch Tätowierungen "nicht nivelliert werden". Auf die Frage eines Journalisten, ob er nun vielleicht seinen Dienst quittiere und Surf-Lehrer auf Hawaii werde, lachte Jürgen P. Nein, er werde trotz des Urteils weiterhin Polizist bleiben.

Dabei stünde ihm noch ein anderer Weg offen: der des Priesters. Bei Tätowierungen ist nämlich sogar die katholische Kirche gnädiger als die Polizei. "Es gibt bei uns dazu keine Regelung", sagt Wolfgang Lehner, Regens im Priesterseminar München. "Irritierende" Tattoos, etwa satanische Symbole, seien zwar schwierig, brave Schriftzüge aber mit Sicherheit nicht. "Wir hatten schon Anwärter mit großem ,Faith' oder ,Believe' auf dem Unterarm", sagt Lehner. Kein Problem, weil der Gesamteindruck zählt und nicht das bisschen Tinte unter der Haut.

Polizei Könnten Sie Polizist werden?
Quiz

Einstellungstest

Könnten Sie Polizist werden?

Wer zur Polizei will, muss nicht nur einen Fitnesstest bestehen, er muss auch seine Allgemeinbildung unter Beweis stellen. Hätten Sie das Zeug zum Ordnungshüter?