Das Internet ist kein Blumentopf. Im Internet reicht schon ein einziger Eimer Wasser, um etwas gedeihen zu lassen. Es ist Sommer 2014, als sich der Golfer Chris Kennedy dabei filmt, wie er sich Eiswasser über den Kopf schüttet. Davor setzt er ein Ultimatum: Jeanette, Kevin und Matten – seine Frau und seine Freunde – haben 24 Stunden Zeit, es ihm gleichzutun. Ansonsten müssen sie an eine Stiftung für ALS-Patienten spenden.
Es ist der Beginn eines gigantischen Internet-Kettenbriefs, der um die Welt geht, Grünen-Politiker Cem Özdemir als Cannabis-Gärtner outet und Hunderte Millionen für den Kampf gegen die unheilbare Nervenkrankheit bringt. Und weil Kettenbrief so nach 20. Jahrhundert klingt, setzt sich unter den Anglizismus-affinen, deutschen Jugendlichen der Originalname durch: Ice-Bucket- Challenge. Und das wiederum trieb die nächste Internet-Blüte: den Siegeszug des Wortes Challenge.
Der englische Begriff für Herausforderung ist zum Chili-Pulver der Online-Welt geworden. Man hängt ihn an alles dran und hofft, dass es dadurch peppiger wird. Bei sehr dummen Ideen: „Kotze-essen- Challenge“ (Youtuber Simon Desue); bei sportlicher Selbstinszenierung: „Eine-Million-Liegestütz-Challenge“ (Bundeswehr); oder beim Buhlen um Nachwuchs.
Und damit Vorhang auf für die „Challenge der Polizei“ in Niederbayern. Gut, beim Namen hätte das Präsidium in Straubing vielleicht etwas kreativer sein können. Aber dafür ist das Programm ganz nach dem Geschmack der Gen Z: spielerisch, kompetitiv und mit der Chance, etwas zu gewinnen.
Wer am 4. Juli in Straubing besonders schnell rennt, Spuren am fiktiven Tatort aufspürt oder präzise mit der Laserpistole ballert, hat die Chance auf den Hauptpreis: „Ein facettenreicher Nachmittag mit Kollegen der Grenzpolizeiinspektion, der Verkehrspolizeiinspektion und der Wasserschutzpolizei.“ Und gerade die Grenzpolizisten dürften nach einem Jahr der dobrindtschen Grenzkontroll-Politik wirklich viel zu erzählen haben.
Bei der Polizei ist es eben noch eine richtige Challenge, neue Leute zu finden. Nicht so wie bei der Bundeswehr, wo das Verteidigungsministerium junge Männer dazu verdonnert hat, einen Fragebogen auszufüllen – und einen Pflichtdienst nicht mehr ausschließt. Im Internet würde man dazu „cheaten“ sagen, also mogeln. Aber das Internet ist ja nicht die reale Welt. Und natürlich auch kein Blumentopf.

